Mehrfarbig drucken: AMS, ACE, CFS und CANVAS

Mehrfarbiger Druck ist die Funktion, die am schnellsten überzeugt und am spätesten verstanden wird. Auf Produktbildern sieht man vierfarbige Modelle, im Betrieb sieht man einen Turm aus Spülmaterial neben dem Bauteil. Zwischen beiden Bildern liegt eine Kaufentscheidung mit drei möglichen Bauarten: ein Vorsatzgerät, das Filamente in eine Düse einspeist, ein Gerät mit mehreren Kanälen ab Werk oder eines mit mehreren Werkzeugköpfen. Dieser Artikel sortiert, welches System zu welchem Vorhaben passt – und wo die Kompatibilitätslisten der Hersteller enger sind, als die Werbung vermuten lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt drei Bauarten: Vorsatzgerät mit einer Düse, mehrere Kanäle ab Werk und mehrere Werkzeugköpfe. Sie unterscheiden sich vor allem im Materialverbrauch beim Farbwechsel.
  • Die gängigen Vorsatzgeräte arbeiten mit vier Kanälen; über Zusatz-Hubs geben zwei Hersteller bis zu 16 Farben an.
  • Kompatibilität ist der wichtigste Punkt vor dem Kauf. Jedes System passt nur zu bestimmten Baureihen desselben Herstellers – bei einem System sogar nur zu einer einzigen Modellgeneration.
  • Nur ein Teil der Vorsatzgeräte kann Filament trocknen. Bei einem System nennt der Hersteller ausdrücklich, dass diese Funktion fehlt.
  • Wie viel Material ein Farbwechsel tatsächlich kostet, gibt kein Hersteller an. Das ist die größte Lücke des Themas.

Was du für Mehrfarbdruck wirklich brauchst

Bevor ein System infrage kommt, lohnt die Frage, was du eigentlich vorhast. Drei Vorhaben führen zu drei verschiedenen Antworten.

Zweifarbige Beschriftungen und Logos. Hier wechselt die Farbe nur an wenigen Schichten. Dafür reicht oft ein Filamentwechsel von Hand an der richtigen Stelle – ohne Zusatzgerät, ohne Spülmaterial. Wer nur das will, braucht kein System.

Vollfarbige Modelle mit vielen Wechseln. Hier wechselt die Farbe hunderte Male pro Druck. Das ist der Fall, für den Vorsatzgeräte gebaut sind – und zugleich der Fall, in dem der Materialverbrauch für das Spülen und die Druckzeit deutlich steigen.

Zwei Werkstoffe statt zwei Farben. Ein häufiger und oft übersehener Anwendungsfall: Stützmaterial aus einem anderen Werkstoff, das sich sauber ablösen lässt. Dafür sind Systeme mit getrennten Werkzeugköpfen im Vorteil, weil nichts gespült werden muss.

Was in allen drei Fällen dazugehört: trockenes Filament. Ein System, das vier Rollen offen im Raum hält, arbeitet gegen die Luftfeuchtigkeit. Welche Systeme es gibt und wie sie technisch funktionieren, ordnet der Vergleich der Multimaterial-Systeme ein.

Worauf diese Einordnung beruht

Wir haben keines dieser Systeme getestet. Kein Testgerät, keine eigene Messung, keine Bewertung aus dem Betrieb. Grundlage sind ausschließlich Herstellerangaben mit Abfragedatum 19. August 2026: Kanalzahl, Kompatibilitätslisten, Trocknungsfunktionen, Erkennungsverfahren.

Das ist bei diesem Thema besonders wichtig, weil Kompatibilität eine harte, nachprüfbare Angabe ist und alles andere – wie zuverlässig ein Einzug arbeitet, wie oft es klemmt – nicht. Zu Störungsraten gibt es keine belastbare Quelle, und dieser Artikel behauptet dazu nichts. Was in der Praxis schiefgehen kann und wie man es einkreist, sammelt der Artikel zu Störungen am Multimaterial-System.

Die Geräte und Systeme, die die Voraussetzungen mitbringen

System oder Gerät Das entscheidende Merkmal laut Hersteller Preisklasse
Creality CFS Vier Slots, laut Hersteller für die Baureihen K1, K2 und Hi; am K2 bis zu 16 Farben bis 300 Euro
Anycubic ACE 2 Pro Vier unabhängige Kanäle, Trocknung bis 65 °C, über Hubs bis 16 Farben bis 300 Euro
Elegoo CANVAS Vier Filamente, RFID-Erkennung, automatisches Nachladen, ohne Trocknungsfunktion bis 300 Euro
Bambu AMS / AMS lite In den Herstellerangaben zu A-, P- und H-Reihe jeweils als Bestandteil des Kombipakets geführt Teil des Gerätepakets
Prusa MMU3 Vom Hersteller als Bündel mit dem MK4S-Bausatz geführt Teil des Gerätepakets
Anycubic Kobra X Vier Farben nativ ohne Zusatzgerät, mit Zusatzeinheit bis 19 bis 300 Euro
Flashforge AD5X Vier Farben ab Werk über eine integrierte Einheit, 220 mm Kantenlänge 500 bis 1000 Euro
Flashforge Creator 5 Pro Vier Werkzeugköpfe, geschlossene Kammer bis 65 °C, 256 mm Kantenlänge 500 bis 1000 Euro
Bambu Lab X2D Doppeldüse ab Werk, Kammer 65 °C im Heizmodus 500 bis 1000 Euro
Prusa XL+ Werkzeugwechsler für bis zu fünf Köpfe, 360 mm Kantenlänge über 1000 Euro
Anycubic Kobra X 3D-Drucker, bis 600 mm/s
Anycubic Kobra X 3D-Drucker, bis 600 mm/s

298,99 € (Stand: undefined)

Der Regelfall für den Einstieg in den Mehrfarbdruck ist ein Gerät, das die Farbkanäle bereits mitbringt, statt sie als zweites Gehäuse danebenzustellen. Prüfe vor dem Kauf drei Angaben: wie viele Kanäle ohne Zusatzgerät nutzbar sind, welche Erweiterung der Hersteller dafür vorsieht und ob die Kompatibilitätsliste dein Wunschgerät wirklich nennt. Zubehör und Ersatzteile dieser Baureihe behandelt der Artikel zum Kobra-Zubehör.

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Drei Bauarten, drei Kompromisse

Das Vorsatzgerät. Vier Rollen stehen in einem eigenen Gehäuse, das Filament wird nacheinander in dieselbe Düse geschoben. Vorteil: nachrüstbar, vergleichsweise günstig, an vielen Geräten verfügbar. Nachteil: Bei jedem Wechsel muss die alte Farbe aus der Düse verdrängt werden – das kostet Material und Zeit. Zu dieser Bauart gehören CFS, ACE 2 Pro, CANVAS, AMS und MMU3.

Mehrere Kanäle ab Werk. Dieselbe Grundidee, aber ins Gerät integriert: Der Anycubic Kobra X führt vier Farben ohne Zusatzgerät, der Flashforge AD5X vier Farben über eine eingebaute Einheit. Der Vorteil ist Platz und ein Gerät statt zwei; das Spülproblem bleibt, weil auch hier nur eine Düse arbeitet.

Mehrere Werkzeugköpfe. Jedes Material hat seine eigene Düse. Beim Wechsel muss nichts verdrängt werden, deshalb fällt kaum Spülmaterial an – und zwei unterschiedliche Werkstoffe lassen sich sauber kombinieren, etwa Bauteil und ablösbares Stützmaterial. Der Preis dafür ist Mechanik: Doppeldüsen und Werkzeugwechsler brauchen eine genaue Ausrichtung beider Köpfe zueinander. Diese Bauart findet sich beim Bambu X2D, beim Flashforge Creator 5 Pro und beim Prusa XL+.

Wo die Unterschiede praktisch zählen

Erstens die Kompatibilitätsliste. Sie ist bei jedem System kurz und herstellergebunden. Creality führt die CFS-Einheit für die Baureihen K1, K2 und Hi. Anycubic nennt für die ACE-2-Pro-Einheit ausdrücklich Kobra X, Kobra S1, Kobra S1 Max, Kobra 3 Max sowie ältere Kobra-3-Varianten. Elegoo schreibt für CANVAS, es sei „compatible with Centauri Carbon only“, eine Fassung für den Centauri Carbon 2 sei angekündigt. Wer ein Gerät kauft, um später mehrfarbig zu drucken, muss diese Liste vor dem Gerätekauf lesen, nicht danach.

Zweitens die Trocknung. Vier offene Rollen ziehen Feuchtigkeit, und feuchtes Filament macht genau die Fehler, die man beim Mehrfarbdruck am wenigsten gebrauchen kann. Anycubic gibt für die ACE-2-Pro-Einheit eine Trocknung bis 65 Grad an. Für CANVAS nennt Elegoo ausdrücklich keine Trocknungsfunktion. Das ist ein handfester Unterschied im Alltag, kein Ausstattungsdetail.

Drittens die Erkennung. Elegoo nennt für CANVAS eine RFID-Erkennung der Spulen und automatisches Nachladen, wenn eine Rolle leer läuft. Das reduziert Handgriffe – funktioniert aber nur mit Material, das die entsprechende Kennung trägt. Bei fremdem Filament trägst du die Daten selbst ein.

Was die Datenblätter nicht sagen

Der Materialverbrauch beim Farbwechsel ist nirgends beziffert. Keiner der Hersteller gibt an, wie viel Filament ein Wechsel verbraucht oder wie stark die Druckzeit dabei steigt. Beides hängt von Düse, Farbe und Slicer-Einstellung ab – aber eine Größenordnung wäre für die Kaufentscheidung wichtiger als jede Kanalzahl. Diese Angabe fehlt schlicht.

Wartungsintervalle sind nur lückenhaft belegt. Für die Bambu-Systeme war das Hersteller-Wiki beim Abruf nicht erreichbar, sodass sich keine Intervalle belegen ließen. Welche Teile eines Vorsatzgeräts überhaupt verschleißen, sammelt der Artikel zu Verschleißteilen am Multimaterial-System.

Angekündigt ist nicht verfügbar. Die CANVAS-Fassung für die zweite Generation der Centauri-Reihe ist vom Hersteller angekündigt, aber nicht als erhältlich ausgewiesen. Wer ein Gerät kauft und auf ein angekündigtes Zubehör wartet, trifft eine Wette. Beim selben System hat es bereits eine Verschiebung des Starttermins gegeben.

Zwei ältere Kombipakete sind aus dem europäischen Herstellershop verschwunden. Sie tauchen in Kompatibilitätslisten weiterhin auf, waren zum Recherchestand aber nicht mehr im EU-Store gelistet. Als Bestandsgerät sind sie damit nicht wertlos, als Neukauf aber keine belastbare Empfehlung.

Zu Geräuschentwicklung und Stromverbrauch der Vorsatzgeräte gibt es keine Angaben. Ein System, das Filament aktiv trocknet, arbeitet mit Heizung und Lüfter – Dezibel- oder Leistungswerte nennen die Hersteller dafür nicht.

Creality CFS: automatisches Filamentsystem mit Filamentwechsel
Creality CFS: automatisches Filamentsystem mit Filamentwechsel

254,14 € (Stand: undefined)

Die Ergänzung, ohne die ein vorhandenes Gerät einfarbig bleibt: eine Filamenteinheit mit vier Kanälen zum Nachrüsten. Prüfe vor dem Kauf, ob die Kompatibilitätsliste des Herstellers genau deine Baureihe nennt, wie viele Kanäle die Einheit führt und ob sie eine Trocknungsfunktion hat – das unterscheidet die Systeme deutlich. Plane außerdem den Stellplatz neben dem Drucker ein. Welche Teile an der Geräteseite dazugehören, behandelt der Artikel zum K2-Zubehör.

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Wann du das Geld nicht ausgeben solltest

  • Wenn du zweifarbige Schriftzüge drucken willst. Dafür genügt ein Filamentwechsel von Hand an der passenden Schichthöhe. Kein System, kein Spülmaterial, keine zusätzliche Fehlerquelle.
  • Wenn du noch kein Material sicher beherrschst. Mehrfarbdruck erhöht die Zahl der Variablen: vier Rollen, vier Feuchtezustände, ein zusätzlicher Einzugsweg. Wer die erste Schicht noch nicht zuverlässig hinbekommt, verdoppelt die Fehlersuche.
  • Wenn du auf ein angekündigtes System wartest. Ein Gerät zu kaufen, weil das passende Zubehör „bald“ kommt, ist eine Wette auf einen Termin. Bei einem der Systeme wurde der Start bereits verschoben.
  • Wenn du eigentlich zwei Werkstoffe kombinieren willst. Dann ist ein Vorsatzgerät mit einer Düse der umständlichere Weg. Mehrere Werkzeugköpfe lösen genau dieses Problem – und liegen preislich anders.
  • Wenn dir der Materialverbrauch wichtig ist. Beim Spülen entsteht Abfall, den keiner der Hersteller beziffert. Wer damit rechnen will, muss es selbst messen.
  • Wenn dein Gerät nicht auf der Liste steht. Dann ist die Antwort nicht ein anderes System, sondern der Verzicht – oder ein neues Gerät. Welche Auswahl es mit Kombipaket gibt, zeigt der Artikel zu Geräten bis 500 Euro.

Häufige Fragen

Wie viele Farben sind wirklich möglich?

Die Grundeinheiten führen jeweils vier Filamente. Anycubic gibt für die Kombination aus mehreren Einheiten über Hubs bis zu 16 Farben an, Creality für die CFS-Einheit am K2 ebenfalls bis zu 16. Für den Kobra X nennt Anycubic vier Farben nativ und bis zu 19 mit Zusatzeinheit. Jede weitere Farbe erhöht allerdings Wechselzahl und Spülmenge.

Kann ich ein System an ein Gerät eines anderen Herstellers anschließen?

Die Hersteller sehen das nicht vor. Alle vier Systeme werden ausschließlich mit eigenen Baureihen als kompatibel geführt. Wer plattformübergreifend plant, plant gegen die Dokumentation.

Brauche ich für Mehrfarbdruck einen Filamenttrockner?

Wenn dein System nicht selbst trocknet: eher ja, weil mehrere Rollen dauerhaft eingelegt bleiben. Eine der Einheiten trocknet laut Hersteller bis 65 Grad, eine andere hat ausdrücklich keine Trocknungsfunktion. Das ist ein Kaufkriterium.

Lohnt sich das Kombipaket beim Gerätekauf?

Wenn du sicher weißt, dass du mehrfarbig drucken willst, ist das Paket der einfachere Weg – die Einheit ist auf das Gerät abgestimmt und der Aufbau ist dokumentiert. Wenn du unsicher bist, kaufe zuerst das Gerät und prüfe, ob dein Hersteller die passende Einheit einzeln anbietet.

Fazit

Mehrfarbdruck ist keine Funktion, die man dazukauft, sondern eine Bauartentscheidung. Vorsatzgeräte mit vier Kanälen sind der breiteste Weg und an vielen Baureihen verfügbar; sie bezahlen jeden Wechsel mit Spülmaterial und Zeit. Geräte mit Kanälen ab Werk sparen Platz, ändern am Spülen aber nichts. Mehrere Werkzeugköpfe umgehen das Spülen und eröffnen die Kombination unterschiedlicher Werkstoffe – zu höherem Preis und mit mehr Mechanik.

Die wichtigste Prüfung vor dem Kauf ist unspektakulär: die Kompatibilitätsliste des Herstellers. Sie ist kurz, sie ist herstellergebunden, und bei einem der vier Systeme umfasst sie derzeit genau eine Modellgeneration. Wer sie vor dem Gerätekauf liest, spart sich die Enttäuschung, die entsteht, wenn die Einheit für das eigene Gerät nur angekündigt ist.

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