Mehrfarbig drucken, lösliche Stützen nutzen, ohne Handgriff zwischen zwei Materialien wechseln: Dafür steht neben jedem modernen Drucker eine Zusatzeinheit, und jeder Hersteller hat inzwischen eine eigene. AMS, ACE, CFS, MMU3 und CANVAS sehen sich auf den Produktfotos ähnlich – sie unterscheiden sich aber in genau den Punkten, die im Alltag zählen: Zahl der Spulen, Trocknung ja oder nein, Sensorik und Verschleiß. Dieser Artikel stellt die belegten Herstellerangaben nebeneinander und sagt auch, wo keine vergleichbaren Zahlen existieren.
- Vier Spulen sind der Normalfall – bei Bambu AMS 2 Pro, Anycubic ACE 2 Pro, Creality CFS und Elegoo CANVAS. Prusas MMU3 unterstützt fünf Filamente, das Bambu AMS HT nur eines.
- Der größte Unterschied ist die aktive Trocknung: AMS 2 Pro heizt laut Hersteller bis 65 °C, AMS HT bis 85 °C, ACE 2 Pro bis 65 °C. Für CFS nennen die Herstellerangaben Trockenmittel statt Heizung, CANVAS und MMU3 haben gar keine Trocknungsfunktion.
- Bambu lässt sich stapeln: bis zu 4 AMS 2 Pro plus 8 AMS HT und damit maximal 24 Filamente gleichzeitig.
- Verschleiß ist bei allen Systemen ein Thema. Prusa nennt für die MMU3 konkret Idler-Lager, gehobbte Zahnräder, PTFE-Röhrchen (19 mm), Selector-Klinge und Kupplungen; Bambu empfiehlt den PTFE-Wechsel im AMS alle zwei Monate, bei abrasiven Materialien monatlich.
- Zum Spülabfall pro Farbwechsel gibt es keine vergleichbaren Herstellerangaben – wer dir Systeme darüber vergleicht, rechnet mit selbst gesetzten Annahmen.
Brauchst du überhaupt ein Multimaterial-System?
Die ehrliche Antwort hängt daran, was du drucken willst – und sie fällt öfter „nein“ aus, als der Zubehörmarkt nahelegt.
Mehrfarbige Modelle sind der klassische Kaufgrund. Wer gelegentlich ein zweifarbiges Schild druckt, kommt allerdings mit einem Farbwechsel per Pause an einer definierten Schichthöhe aus – das kostet einen Handgriff und sonst nichts.
Lösliche Stützstrukturen sind das stärkere Argument. Wer regelmäßig Geometrien mit schwer zugänglichen Überhängen druckt, gewinnt hier tatsächlich etwas, das sich mit einem Extruder nicht ersetzen lässt.
Materialwechsel ohne Handgriff ist der unterschätzte Punkt: Wer viel mit zwei, drei Materialien arbeitet, spart weniger Zeit beim Drucken als beim Umrüsten.
Dagegen stehen drei Kosten, die niemand auf dem Karton nennt: Spülabfall bei jedem Farbwechsel, deutlich längere Druckzeiten bei vielen Wechseln pro Schicht und zusätzliche Fehlerquellen im Filamentweg. Wer überwiegend einfarbige Funktionsteile druckt, ist ohne die Einheit schneller und ruhiger unterwegs. Wie sich typische Störungen äußern, steht unter AMS-Störungen.
Die Systeme im Überblick
| System | Filamente | Trocknung laut Hersteller | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Bambu AMS 2 Pro | 4 | aktiv, max. 65 °C | seriell erweiterbar, Feuchteanzeige in Stufen |
| Bambu AMS HT | 1 | aktiv, max. 85 °C | für Hochtemperatur-Materialien ausgelegt |
| Anycubic ACE 2 Pro | 4 | aktiv, max. 65 °C | 4 unabhängige bürstenlose Motoren, Temperatur- und Feuchtesensor |
| Creality CFS / CFS-C | 4 | Trockenmittel, keine Heiztemperatur angegeben | LCD mit Temperatur- und Feuchteanzeige |
| Prusa MMU3 | 5 | keine | Verschleißteile vom Hersteller einzeln benannt |
| Elegoo CANVAS | 4 | keine | reines Filamentwechsel-Zubehör für die Centauri-Carbon-Reihe |
Die Tabelle zeigt die eigentliche Trennlinie, und sie verläuft nicht zwischen Marken, sondern zwischen zwei Bauprinzipien: Einheiten mit Heizung und Einheiten mit Trockenmittel. Erstere können den Zustand des Filaments verändern, letztere ihn nur halten. Was das praktisch bedeutet, ist im Artikel Trockenbox oder Trockner ausführlich beschrieben.
Was belegt ist – und was nicht
Belegt sind die Eckdaten. Bambu gibt für das AMS 2 Pro vier Spulen je Einheit und ein Heizmodul mit maximal 65 °C an, für das AMS HT eine Spule und maximal 85 °C, dazu eine Materialliste, die von PLA und PETG über ABS, ASA, PA und PC bis zu PVA, BVOH, PP, POM, HIPS und PAHT-CF reicht. Seriell lassen sich laut Bambu bis zu vier AMS 2 Pro und acht AMS HT verbinden, was maximal 24 gleichzeitig verfügbare Filamente ergibt.
Anycubic nennt für das ACE 2 Pro vier unabhängige bürstenlose Motoren, eine maximale Trocknungstemperatur von 65 °C sowie einen Temperatur- und Feuchtesensor, dessen Werte in App, Slicer und Display angezeigt werden. Creality beschreibt die CFS-Einheiten mit vier Slots, feuchtedichter Aufbewahrung mit Trockenmittel und einem LCD für Temperatur und Feuchte; für das CFS-C steht als Trocknungsmethode ausdrücklich „Desiccant“. Eine Heiztemperatur nennen die geprüften Produktseiten nicht. Prusa gibt für die MMU3 fünf gleichzeitig nutzbare Filamente an – realisiert über fünf gehobbte Rollen und fünf Lager im Idler – und keine Trocknungsfunktion. Elegoos CANVAS wird für Centauri Carbon und Centauri Carbon 2 mit vier Filamenten beschrieben, ebenfalls ohne Feuchte- oder Trocknungsfunktion.
Nicht belegt ist der Rest der üblichen Vergleichspunkte. Es gibt keine vergleichbaren Herstellerangaben zum Spülabfall pro Farbwechsel, keine vergleichbaren Zahlen zur Wechselgeschwindigkeit und keine belastbaren Fehlerraten. Solche Werte hängen an Material, Düse, Slicer-Einstellung und Modell – und keiner der Hersteller veröffentlicht sie in einer Form, die einen fairen Vergleich erlauben würde. Wer sie dir trotzdem präsentiert, hat sie geschätzt.
Zum Verschleiß gibt es dagegen brauchbare Angaben. Prusa benennt für die MMU3 die Teile einzeln: Lager im Idler, gehobbte Zahnräder, an denen sich Filamentstaub ablagert, PTFE-Röhrchen mit 19 mm, die Selector-Klinge sowie Kupplungen und Collets. Für die Nextruder Main Plate nennt Prusa eine Lebensdauer von 30.000 Filamentwechseln. Bambu wiederum empfiehlt für das AMS den Wechsel der PTFE-Röhrchen alle zwei Monate bei normaler Nutzung und monatlich bei abrasiven Materialien wie Carbonfaser oder Glow-Filament. Das ist der ehrlichste Vergleichspunkt überhaupt: Beide Hersteller sagen, dass die Einheit Verschleißteile hat.
Für Fremdrollen in einer Multimaterial-Einheit gibt es hier bewusst keine Produktempfehlung. Adapter für abweichende Kerndurchmesser und Spulenbreiten sind fast immer auf ein bestimmtes System zugeschnitten, und im Amazon-Sortiment ließ sich keiner finden, der systemübergreifend passt – gefunden haben wir vor allem Spulenhalter für einzelne Gerätemodelle und PTFE-Verteiler, also etwas anderes. Miss stattdessen den Innendurchmesser, die Breite und den Außendurchmesser deiner Rollen aus und vergleiche sie mit den Maßen deines Fachs; passt eine Rolle nicht, ist der Umweg über eine Leerspule des Systems meist zuverlässiger als ein Adapter.
Worauf es beim Kauf ankommt
Der Drucker entscheidet zuerst. Diese Einheiten sind keine universellen Zusatzgeräte, sondern gehören zum jeweiligen Ökosystem: AMS zu Bambu-Geräten, ACE zu Anycubic, CFS zur K-Serie von Creality, MMU3 zu Prusa, CANVAS zur Centauri-Carbon-Reihe von Elegoo. Welche Teile und Ergänzungen zu einem konkreten Modell passen, steht in den Modellartikeln – etwa unter Zubehör für den Bambu P1S.
Danach zählt die Trocknungsfrage. Wer PLA und PETG in Farbe druckt, kommt mit einer Trockenmittel-Einheit gut zurecht. Wer PA, PC oder lösliche Stützen verarbeitet, braucht Wärme – und selbst die 65 °C der beheizten Einheiten liegen unter den 75 bis 85 °C, die Bambu für diese Materialien zum Trocknen angibt. Deshalb: Auch mit beheizter Einheit ersetzt du keinen Filamenttrockner, du verzögerst nur die Wiederbefeuchtung.
Drittens die Zahl der Filamente. Vier Slots decken die meisten Mehrfarbprojekte ab; fünf helfen dort, wo eine Position dauerhaft für Stützmaterial reserviert ist. Und viertens der Verschleiß: Ein System, für das der Hersteller Ersatzteile einzeln aufführt, ist im Alltag angenehmer als eines, bei dem man auf Baugruppen angewiesen ist.
So gehst du vor
- Spulen prüfen. Kerndurchmesser, Breite und Rundlauf entscheiden, ob eine Fremdrolle im Fach sauber abläuft. Verzogene Kartonspulen sind eine der häufigsten Ursachen für Einzugsfehler.
- Filamentende sauber anschneiden. Ein schräger, gratfreier Schnitt geht durch Kupplungen und Röhrchen, ein gequetschtes Ende bleibt hängen.
- Filamentweg kontrollieren. PTFE-Röhrchen ohne Knick verlegen und regelmäßig auf Riefen prüfen – Grundlagen dazu unter PTFE-Schlauch.
- Trockenmittel oder Trocknung einrichten. Bei Trockenmittel-Einheiten den Indikator im Blick behalten, bei beheizten Einheiten Material und Temperatur nach Herstellerangabe wählen.
- Materialien mit Bedacht mischen. Materialien mit stark unterschiedlichen Temperaturfenstern in einem Druck bedeuten mehr Spülvolumen und mehr Fehlerquellen. Zwei verwandte Materialien sind fast immer die ruhigere Wahl.
- Verschleißteile einplanen. Was regelmäßig fällig wird und woran du es erkennst, steht unter AMS-Verschleißteile.
Für Werkstätten, in denen häufig zwischen Materialien und Farben gewechselt wird: Reinigungsfilament nimmt Reste im Schmelzbereich mit und ist beim Wechsel von dunklen auf helle Farben hilfreich. Achte auf den zu deinem Drucker passenden Durchmesser und auf eine Herstellerangabe zum empfohlenen Temperaturbereich.
Was du dir sparen kannst
- Die Einheit für gelegentliche Zweifarbigkeit. Ein geplanter Filamentwechsel an einer festen Schichthöhe erledigt zweifarbige Schilder und Logos ohne Zusatzgerät und ohne Spülabfall.
- Die zweite und dritte Einheit. Bambu erlaubt zwar den Ausbau bis 24 Filamente – gebraucht wird das in einer Hobbywerkstatt praktisch nie. Mehr Slots heißt vor allem mehr Wechsel pro Schicht.
- Die beheizte Einheit als Trocknerersatz. 65 °C reichen für PLA, PETG und TPU, nicht aber für die Herstellerempfehlung bei ABS, ASA, PA, PC und löslichen Stützen.
- Zubehör, das Kompatibilität nur verspricht. Ob ein Adapter, ein Röhrchen oder ein Trockenmitteleinsatz in deine Einheit gehört, sagt der Gerätehersteller – nicht die Produktbeschreibung eines Drittanbieters.
- Vorräte an Verschleißteilen für Jahre. Sinnvoll ist ein Satz PTFE-Röhrchen im Haus, nicht ein Karton davon.
Häufige Fragen
Welches System trocknet am besten?
Nach den Herstellerangaben erreicht das Bambu AMS HT mit 85 °C den höchsten Wert, allerdings für nur eine Spule. AMS 2 Pro und Anycubic ACE 2 Pro nennen jeweils 65 °C für vier Spulen. Die Creality-CFS-Einheiten arbeiten laut Produktangaben mit Trockenmittel, ohne dass eine Heiztemperatur genannt wird; MMU3 und CANVAS haben keine Trocknungsfunktion. Ein Vergleich der tatsächlich erreichten Restfeuchte ist damit nicht möglich – solche Messwerte veröffentlicht keiner der Hersteller.
Wie viel Material geht beim Farbwechsel verloren?
Dazu gibt es keine vergleichbaren Herstellerangaben, und der Wert hängt ohnehin von Düse, Material, Farbkombination und Slicer-Einstellung ab. Verlässlich ist nur die Richtung: Je mehr Wechsel pro Schicht, desto mehr Spülmaterial. Wer die Farbflächen so konstruiert, dass wenige Wechsel je Schicht anfallen, spart mehr als jede Einstellung.
Kann ich abrasive Materialien durch die Einheit fahren?
Grundsätzlich ja, aber der Verschleiß steigt spürbar. Bambu empfiehlt bei abrasiven Materialien wie Carbonfaser oder Glow-Filament den monatlichen Wechsel der PTFE-Röhrchen im AMS statt alle zwei Monate. Prusa führt für die MMU3 unter anderem gehobbte Zahnräder und Röhrchen als Verschleißteile auf. Wer viel Carbon druckt, sollte diese Teile als laufenden Posten einplanen.
Lohnt sich Nachrüsten oder gleich das Combo-Paket?
Das ist eine Frage der Nutzung, nicht der Technik: Beides führt zum selben Ergebnis. Sinnvoll ist es, erst mit einem Extruder zu arbeiten, bis klar ist, ob mehrfarbige Drucke oder lösliche Stützen tatsächlich regelmäßig vorkommen. Die Einheit lässt sich bei allen genannten Systemen später ergänzen – umgekehrt steht sie sonst als teurer Rollenhalter herum.
Fazit
Der belastbare Vergleich der fünf Systeme läuft auf drei Zahlen und eine Eigenschaft hinaus: vier Filamente bei AMS 2 Pro, ACE 2 Pro, CFS und CANVAS, fünf bei der MMU3, eines beim AMS HT – und die Frage, ob die Einheit heizt oder nur Trockenmittel mitführt. Aktiv beheizt sind nach Herstellerangaben AMS 2 Pro und ACE 2 Pro mit je 65 °C sowie AMS HT mit 85 °C; CFS setzt auf Trockenmittel, MMU3 und CANVAS haben keine Trocknungsfunktion.
Alles Weitere entscheidet dein Drucker, denn keines dieser Systeme lässt sich beliebig kombinieren. Und was in keinem Datenblatt steht, gehört trotzdem zur Rechnung: Spülabfall, längere Druckzeiten und Verschleißteile, die beide großen Hersteller ausdrücklich benennen. Wer das einkalkuliert, bekommt ein System, das viel Handarbeit spart. Wer nur mehrfarbige Schilder drucken will, spart sich die Einheit besser ganz.
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