Creality oder Anycubic? Zwei Anbieter, eine Klasse

Creality und Anycubic sind der ungewöhnlichste Fall unter den Markenvergleichen: Hier stehen sich nicht zwei Philosophien gegenüber, sondern zwei Anbieter derselben Klasse. Beide bespielen dieselben Preisstufen, beide bieten offene Einsteigergeräte und geschlossene Bauformen, beide haben ein eigenes Mehrfarbsystem, beide werben mit 600 mm/s. Genau deshalb ist der Vergleich schwierig – und genau deshalb entscheiden hier Details, die im Datenblatt leicht zu übersehen sind. Dieser Artikel arbeitet die Unterschiede heraus, die sich tatsächlich belegen lassen, und benennt die Stellen, an denen beide Hersteller gleichermaßen wenig dokumentieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Anbieter derselben Klasse: gleiche Preisstufen, gleiche Bauformen, ähnliche Werbeversprechen. Die Unterschiede liegen unterhalb der Überschriften.
  • Der klarste belegte Unterschied betrifft die Mehrfarbsysteme – eines der beiden trocknet das Filament laut Hersteller aktiv, für das andere ist das nicht dokumentiert.
  • Beim größten Bauraum je Preisstufe liegt ein deutlicher Abstand zwischen den beiden Programmen.
  • Ein Betrieb ohne Cloud ist bei beiden Herstellern nicht aus Primärquellen belegbar. Anleitungsseiten existieren, ihr Inhalt war nicht auslesbar – das ist eine Datenlücke, keine Aussage gegen die Geräte.
  • Wir haben keines dieser Geräte getestet. Alles hier stammt aus Herstellerdokumenten und einer benannten Fremdmessung.

Was du für diesen Zweck wirklich brauchst

Wenn zwei Anbieter dieselbe Klasse bedienen, hilft der Markenname bei der Entscheidung überhaupt nicht. Was hilft, sind drei Anforderungen, die du vorher festlegst.

Wie groß soll das größte Teil sein, das du drucken willst? Bauraum ist das Merkmal, das sich am wenigsten nachrüsten lässt und in dieser Paarung am deutlichsten auseinandergeht. Willst du mehrfarbig drucken – und wenn ja, mit welchen Materialien? Wer nur PLA in vier Farben mischt, braucht andere Voraussetzungen als jemand, der feuchtigkeitsempfindliches Material im Mehrfarbsystem stehen lässt. Und wo steht das Gerät? In einem Wohnraum ist eine dokumentierte Geräuschangabe mehr wert als eine Geschwindigkeitszahl, die ohnehin nur die Bewegung beschreibt.

Worauf diese Einordnung beruht

Wir haben keines dieser Geräte getestet. Kein Testgerät, keine eigene Messreihe, keine Punktzahlen. Was du liest, ist die Zuordnung von Anforderungen zu Herstellerangaben.

Grundlage sind Hersteller-Shops, Support- und Wiki-Seiten mit Abfragedatum 19.08.2026, dazu die Datenschutzerklärung eines der beiden Hersteller und eine benannte Fremdmessung von Tom’s Hardware zu realen Druckzeiten. Preisstufen stammen aus den europäischen Hersteller-Shops beziehungsweise aus Dollar-Listen – sie sind eine grobe Einordnung, maßgeblich ist der Preis in der Produktbox.

Wichtig für diesen Vergleich: Bei beiden Herstellern sind Teile der Spezifikationen als nachgeladene Seiteninhalte ausgeliefert und waren beim Abruf nicht auslesbar. Wo eine Angabe fehlt, steht das hier ausdrücklich, statt sie aus einer Sekundärquelle zu ergänzen.

Die Geräte, die die Voraussetzungen mitbringen

Die Tabelle stellt die Programme nebeneinander. Sie enthält nur Geräte aus der geprüften Faktenbasis.

Modell Das entscheidende Merkmal laut Hersteller Preisklasse
Creality SPARKX i7 260×260×255 mm, offen, Input Shaping, Filamentsensor bis 300
Creality Hi / Hi Combo 260×260×300 mm, ≤48 dB im Silent Mode, Combo mit CFS bis 300
Creality K2 260×260×260 mm, geschlossen, keine aktive Kammerheizung, CFS bis 16 Farben 300–500
Creality K2 Pro 300×300×300 mm, Kammer bis 60 °C, Düsenkamera 500–1000
Creality K2 Plus 350×350×350 mm, Freigabe bis PPS-CF, Düse ≤350 °C über 1000
Anycubic Kobra 4 260×260×260 mm, offen, ≤45 dB leise / ≤48 dB Standard bis 300
Anycubic Kobra X 260×260×260 mm, vier Farben ab Werk, ≤48 dB in 1 m Abstand bis 300
Anycubic Kobra S1 250×250×250 mm, geschlossen, ≤44 dB leise, Ausfallwiederherstellung 300–500
Anycubic Kobra 3 Max 420×420×500 mm, offen, Düse bis 300 °C 300–500
Anycubic Kobra S1 Max 350×350×350 mm, geschlossen, Kammer aktiv 65 °C 500–1000
Creality K1C 3D-Drucker mit verstopfungsfreiem Extruder, für Carbonfilament geeignet
Creality K1C 3D-Drucker mit verstopfungsfreiem Extruder, für Carbonfilament geeignet

479,00 € (Stand: undefined)

Das geschlossene Gerät ist in dieser Klasse der Regelfall für alle, die mehr als PLA verarbeiten wollen: Der Hersteller nennt für dieses Modell ausdrücklich Carbonfaser-Materialien und dafür eine stahlbestückte Düse. Prüfe vor dem Kauf, welche Variante angeboten wird und ob ein Mehrfarbsystem dabei ist – und lass dir den Bauraum bestätigen, weil er für dieses Modell auf den Herstellerseiten nicht in einer auslesbaren Tabelle steht.

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Mehrfarbsysteme: der klarste belegte Unterschied

Wenn es in dieser Paarung eine Stelle gibt, an der die Datenblätter wirklich auseinandergehen, dann hier.

Das Creality CFS führt der Hersteller mit vier Steckplätzen und weist es für die K1-, K2- und Hi-Serie aus; beim K2 nennt er bis zu 16 Farben. Das Anycubic ACE 2 Pro hat vier unabhängige Kanäle, ist für Kobra X, Kobra S1, Kobra S1 Max, Kobra 3 Max und die Kobra-3-Reihe ausgewiesen, erreicht über Filament-Hubs ebenfalls bis 16 Farben – und trocknet das Filament laut Hersteller aktiv mit bis zu 65 °C. Für das CFS ist eine Trocknungsfunktion nicht dokumentiert.

Das ist kein Detail für Feinschmecker. Ein Mehrfarbsystem hält vier angebrochene Rollen offen im Raum, oft über Wochen. Wer damit PETG, TPU oder Nylon fahren will, hat mit aktiver Trocknung eine Voraussetzung, die er sonst über eine separate Box herstellen muss. Wer ausschließlich PLA druckt, merkt den Unterschied kaum. Wie sich die Systeme sonst unterscheiden, steht im Multimaterial-Vergleich.

Ein zweiter Punkt gehört dazu: Der Kobra X bringt laut Hersteller vier Farben bereits ab Werk mit, ohne Vorsatzgerät. In der untersten Preisstufe ist das eine Ausstattung, die es sonst kaum gibt.

Bauraum je Preisstufe

Der zweite belegbare Unterschied liegt im Verhältnis von Bauraum zu Preisstufe. Der größte Bauraum in der Klasse 300 bis 500 Euro liegt in dieser Paarung bei 420×420×500 mm; das größte Creality-Gerät mit 350×350×350 mm steht dagegen in der Preisklasse über 1000 Euro. Umgekehrt bringt dieses teurere Gerät eine Materialfreigabe mit, die das große offene Gerät nicht hat: Für die K2 Plus nennt Creality eine Liste bis PPS-CF mit Düse bis 350 °C und Bett bis 120 °C, während beim großen offenen Gerät die Düse bis 300 °C und das Bett bis 90 °C reichen.

Damit ist die Zuordnung klar und hat nichts mit „besser“ zu tun: Für große Teile aus PLA oder PETG bringt die eine Seite die belegten Voraussetzungen zu einer niedrigeren Preisstufe mit. Für technische Materialien bringt die andere Seite die belegten Freigaben mit – und verlangt dafür die höchste Preisstufe.

Wo die Unterschiede praktisch zählen

Erstens die Geschwindigkeitsangaben. Beide Hersteller nennen 600 mm/s, und beide relativieren das selbst: Anycubic gibt für Kobra 4, Kobra X und Kobra S1 ausdrücklich 300 mm/s als empfohlenen Wert an, Creality nennt für die Hi 500 mm/s Maximum bei typischen 300 mm/s. Die benannte Fremdmessung von Tom’s Hardware zeigt dazu passend, dass die realen Druckzeiten aktueller Geräte um etwa Faktor drei auseinanderliegen – nicht um den Faktor der beworbenen Zahlen. Für den K1C nennt diese Messreihe 13:39 Minuten, für den Ender-3 V3 SE 41:00 Minuten. Der Abstand innerhalb eines Programms ist also größer als der zwischen den Marken.

Zweitens die Kammerheizung. Geschlossen ist nicht gleich beheizt. Der K2 ist laut Hersteller geschlossen, hat aber keine aktive Kammerheizung; K2 Pro und K2 Plus heizen bis 60 °C. Auf der anderen Seite ist der Kobra S1 geschlossen, während für den Kobra S1 Max eine aktiv beheizte Kammer mit 65 °C ausgewiesen ist. Wer ABS oder ASA plant, sollte genau diese Zeile lesen und nicht das Wort „geschlossen“.

Drittens die Nachrüstteile. Beide Hersteller verkaufen Kameras separat: Creality eine Kammerkamera für K2 und K2 Pro, Anycubic eine Live-View-Kamera für mehrere Kobra-Modelle, deren Halterung als Druckdatei bereitgestellt wird. Creality bietet zusätzlich ein Keramik-Heizblock-Kit für die K2-Reihe und strukturierte Druckplatten an. Die Teilelisten stehen im Artikel zum K2-Zubehör und im Artikel zum Kobra-S1-Zubehör.

Was die Datenblätter nicht sagen

Der Betrieb ohne Cloud ist bei beiden nicht belegbar. Für Creality existiert eine Wiki-Seite zum Drucken im lokalen Netz, für Anycubic gibt es LAN-Anleitungen je Modellreihe – bei beiden war der Seiteninhalt beim Abruf nicht auslesbar. Funktionsumfang und Kontofrage bleiben damit offen. Belegt ist nur, dass Bambu und Prusa einen dokumentierten LAN- beziehungsweise Offline-Betrieb haben; für diese beiden Hersteller ist das eine Datenlücke, keine Aussage gegen sie. Was das praktisch heißt, steht im Artikel zu Netzwerk, Fernzugriff und Cloud-Pflicht.

Zur Kontofrage gibt es allerdings eine belegte Asymmetrie. Die Datenschutzerklärung von Anycubic sagt ausdrücklich, dass ein Konto per E-Mail oder Drittanbieter-Login nötig ist, um die Dienste zu nutzen, und listet die erhobenen Kategorien detailliert auf – bis hin zu Gerätekennungen, IP-Adressen und Standortdaten. Für Creality liegt kein vergleichbares auslesbares Dokument vor. Das heißt nicht, dass dort weniger erhoben wird; es heißt, dass es sich nicht belegen lässt.

Mehrere Bauräume fehlen. Für die Creality-Modelle K1, K1C, K1 Max und Ender-3 V3 SE sowie für Ender-5 Max und Ender-3 V4 ließen sich die Bauraumangaben nicht aus Herstellerquellen belegen. Auf der anderen Seite fehlt eine dokumentierte Vibrationskompensation für den Kobra S1, und für keines der Anycubic-Modelle ist eine Eignung für PA, PC oder PPS belegt.

Und zwei Modelle sind aus dem Programm verschwunden: Kobra 3 Combo und Kobra 3 V2 Combo waren am 19.08.2026 nicht mehr im EU-Store gelistet. Als Bestandsgerät begegnen sie dir weiterhin – als Neukaufempfehlung tauchen sie hier nicht auf. Was beim Kauf solcher Geräte zu prüfen ist, steht im Artikel zum Gebrauchtkauf.

Anycubic Kobra S1 Combo 3D-Drucker mit Filamenttrocknung während des Drucks
Anycubic Kobra S1 Combo 3D-Drucker mit Filamenttrocknung während des Drucks

399,00 € (Stand: undefined)

Die Gegenseite im geschlossenen Segment, und das Gerät mit der niedrigsten dokumentierten Geräuschangabe dieses Vergleichs. Interessant, wenn der Drucker in einem Raum steht, in dem auch gearbeitet oder geschlafen wird. Prüfe vor dem Kauf, ob das Angebot das Mehrfarbsystem enthält oder nicht – es wird bei diesem Modell getrennt geführt – und ob die genannte Kammerausstattung zu deinem Material passt.

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Wann du das Geld nicht ausgeben solltest

Innerhalb derselben Klasse zu wechseln, ist fast immer die schlechteste Verwendung des Geldes. Wenn dein aktuelles Gerät ein offener Bettschieber der Einstiegsklasse ist und du wieder einen offenen Bettschieber der Einstiegsklasse kaufst, änderst du die Marke und sonst wenig – die belegten Merkmale sind in dieser Paarung sehr ähnlich.

Nicht ausgeben solltest du das Geld auch, wenn du dir vom Mehrfarbsystem eine Zeitersparnis versprichst: Farbwechsel verlängern Druckzeiten und erzeugen Abfallmaterial, das ist bei beiden Systemen so. Und wenn dein eigentliches Problem Haftung, feuchtes Filament oder ein verschlissener Düseneinsatz ist, löst kein Neugerät es. Wer dagegen über die nächsthöhere Systemklasse nachdenkt, findet die Abwägung im Artikel Bambu Lab oder Creality.

Häufige Fragen

Welche der beiden Marken ist leiser?

Belegte Angaben gibt es überwiegend auf einer Seite: Anycubic nennt für mehrere Modelle Werte zwischen 44 und 48 dB und ist der einzige Hersteller im Vergleichsfeld, der bei einem Modell den Messabstand von einem Meter mit angibt. Von Creality liegt ein Wert für die Hi vor, für die gesamte K-Serie dagegen keiner. Ohne einheitliche Messbedingung bleibt das aber ein Anhaltspunkt, kein Vergleichswert.

Sind 600 mm/s bei beiden dasselbe?

Ja – und in beiden Fällen ist es eine Bewegungsangabe, keine Druckgeschwindigkeit. Beide Hersteller nennen selbst niedrigere empfohlene oder typische Werte. Für die Kaufentscheidung ist diese Zahl deshalb kaum brauchbar.

Kann ich das Mehrfarbsystem später nachrüsten?

Beide Hersteller verkaufen ihre Systeme einzeln und weisen kompatible Modelle aus. Entscheidend ist, dass dein Gerät ausdrücklich in dieser Liste steht – die Systeme sind nicht markenübergreifend und innerhalb einer Marke nicht für jedes Modell freigegeben.

Was ist mit den Modellen, die aus dem EU-Store verschwunden sind?

Sie sind damit nicht defekt oder wertlos, aber sie sind kein Kaufziel mehr. Für Anycubic ist keine Ersatzteilfrist nach Produktionsende dokumentiert – anders als bei einem Hersteller, der solche Fristen veröffentlicht hat. Wer ein solches Gerät gebraucht übernimmt, sollte das einkalkulieren.

Fazit

Zwei Anbieter derselben Klasse, und deshalb kein Sieger, sondern eine Zuordnung entlang von drei belegten Punkten. Wer mehrfarbig mit feuchtigkeitsempfindlichem Material drucken will, findet die aktive Trocknung im Mehrfarbsystem nur auf einer Seite dokumentiert. Wer einen sehr großen Bauraum zu einer mittleren Preisstufe sucht, findet ihn ebenfalls dort. Wer dagegen technische Kunststoffe bis PPS-CF verarbeiten will, findet die ausdrückliche Herstellerfreigabe nur auf der Creality-Seite – in der höchsten Preisstufe.

In allem anderen ähneln sich die beiden Programme so stark, dass der Vergleich an den Datenlücken hängen bleibt: fehlende Bauraumangaben auf der einen, fehlende Materialfreigaben auf der anderen Seite, und ein nicht belegbarer Betrieb ohne Cloud bei beiden. Wer diese drei Punkte vor dem Kauf beim Händler klärt, hat mehr gewonnen als durch jede Markenentscheidung.

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