Filament trocknen: Tabelle nach Material (PLA bis PPS-CF)

Irgendwann trifft es jede Rolle: Sie knistert beim Extrudieren, die Oberfläche wird stumpf, überall hängen Fäden – mit demselben Profil, das vor drei Monaten sauber lief. Filament zieht Wasser aus der Luft, und das lässt sich rückgängig machen, aber nur mit der richtigen Temperatur und der richtigen Zeit. Hier stehen die Werte von Bambu Lab als Tabelle nach Material, dazu die zwei Punkte, an denen die meisten Anleitungen im Netz falsch liegen: Eine Trockenbox trocknet nicht, und das Trockenmittel aus dem AMS gehört nicht in den Ofen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prusa schreibt wörtlich: „The Drybox does not dry filament.“ Eine Trockenbox lagert trockenes Filament trocken – sie macht feuchtes Filament nicht wieder trocken.
  • Zum Trocknen brauchst du Wärme über Stunden. Bambu Lab nennt für PLA 50 °C und 8 Stunden, für PETG 65 °C und 8 Stunden, für PPS-CF 110–140 °C und 8–12 Stunden. Die vollständige Tabelle steht weiter unten.
  • Das Trockenmittel im AMS ist laut Bambu Lab nicht wiederverwendbar. Foren empfehlen das Ausbacken trotzdem – der Hersteller nicht.
  • Für manche Materialien gibt es schlicht keinen belegten Herstellerwert, etwa für PVA und für Holz-Compounds. Dann gilt: am unteren Ende der Spanne des Basismaterials anfangen.
  • Der Backofen funktioniert, ist aber die unsicherste Methode: ungenaue Thermostate, heiße Zonen, Umluft, und Verformung setzt schon unterhalb der Glasübergangstemperatur ein.

Was Feuchtigkeit im Material anrichtet

Die meisten Druckkunststoffe sind hygroskopisch: Ihre Molekülketten binden Wasser aus der Umgebungsluft. Dazu muss nichts nass werden, es reicht, dass die Rolle offen im Raum liegt – je nach Material dauert das Tage, bei durstigen Typen Stunden.

Im Hotend wird aus dem gebundenen Wasser Dampf. Er dehnt sich schlagartig aus und reißt die Schmelze auf. Daraus entstehen die typischen Symptome: Knistern und Ploppen beim Extrudieren, poröse Stränge, stumpfe Oberflächen, schwankende Fördermenge, Fäden zwischen den Teilen. Wie du das von anderen Fehlern trennst, steht unter feuchtes Filament erkennen.

Zwei Effekte werden dabei übersehen. Erstens die Versprödung: Manche Materialien brechen nach längerer Wasseraufnahme im Schlauch oder auf der Rolle durch. Zweitens die Schichthaftung – ein Bauteil kann maßhaltig aussehen und sich trotzdem entlang der Schichten spalten. Deshalb ist Trocknen bei Funktionsteilen keine Kosmetik.

Wichtig für die Erwartungshaltung: Trocknen repariert das Material, es verbessert es nicht. Wenn ein Druck danach weiterhin Lücken zeigt, liegt die Ursache woanders – dann lohnt der Blick auf Unterextrusion.

Trockenbox oder Trockner – der Unterschied, der zählt

Das ist der wichtigste Absatz dieses Artikels, und er widerspricht der halben Produktwerbung. Prusa schreibt im eigenen Handbuch wörtlich: „The Drybox does not dry filament.“ Eine Trockenbox ist ein dichter Behälter mit Trockenmittel. Sie senkt die Luftfeuchte um die Rolle herum und hält Material, das bereits trocken ist, im trockenen Zustand. Sie entzieht dem Kunststoff aber nicht das Wasser, das schon in den Molekülketten sitzt.

Trocknen heißt: Wärme über Stunden, damit das gebundene Wasser aus dem Strang wandert, und ein Weg, auf dem die feuchte Luft entweicht. Das leistet ein beheizter Filamenttrockner – im Notfall, mit Einschränkungen, ein Backofen oder ein Dörrgerät.

Kriterium Trockenbox (unbeheizt) Beheizter Trockner
Zweck Trockenes Material trocken halten Feuchtes Material wieder trocknen
Wärme keine geregelt, materialabhängig
Während des Drucks nutzbar ja, als Vorratsbox mit Durchführung bei vielen Geräten ja
Hilft bei knisternder Rolle nein ja
Grenze Trockenmittel muss gesättigt getauscht werden Maximaltemperatur reicht nicht für jedes Material

Beides ergänzt sich: trocknen, dann trocken halten. Wer nur die Box kauft, konserviert den Zustand, in dem das Filament gerade ist.

Die Trocknungstabelle nach Material

Diese Werte stammen von Bambu Lab und sind hier unverändert übernommen, weil im Netz für dieselben Materialien fünf verschiedene Zahlen kursieren und die wenigsten eine Quelle haben. Nennt dein Filamenthersteller eigene Werte auf der Rolle oder im Datenblatt, haben diese Vorrang.

Material Temperatur Dauer
PLA 50 °C 8 h
PETG 65 °C 8 h
TPU 70 °C 8 h
ABS / ASA 80 °C 8 h
PA / Nylon 80–100 °C 8–12 h
PC 80–100 °C 8–12 h
PPS-CF 110–140 °C 8–12 h

Zwei Dinge fallen auf. Erstens die Dauer: Acht Stunden sind der Normalfall. Wer eine Rolle zwei Stunden warmlegt und dann urteilt, Trocknen bringe nichts, hat nicht getrocknet, sondern angewärmt. Zweitens die Temperaturen am oberen Ende: 110 bis 140 °C für PPS-CF schafft kein handelsüblicher Filamenttrockner, und Haushaltsöfen regeln dort zu grob.

Für Nylon und PA ist die obere Hälfte der Spanne sinnvoll, weil das Material sehr schnell wieder Wasser zieht – oft schon während des Drucks. Bei PA lohnt deshalb fast immer, direkt aus einer beheizten Quelle heraus zu drucken.

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Beheizte Trockner mit Platz für zwei Spulen decken den größten Teil dieser Tabelle ab: PLA bis ABS/ASA liegen im Regelbereich üblicher Geräte. Vor dem Kauf zählt vor allem die angegebene Maximaltemperatur – für PA oder PC braucht es ein Gerät am oberen Ende, PPS-CF liegt außerhalb dieser Klasse. Praktisch ist eine Filamentdurchführung, weil sich das Gerät dann während des Drucks weiternutzen lässt.

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Materialien ohne belegten Herstellerwert

Die Tabelle oben deckt die gängigen Basismaterialien ab. Für einige verbreitete Sorten gibt es schlicht keinen Wert, den man seriös zitieren könnte – und das ist ehrlicher gesagt als eine erfundene Zahl.

  • PVA und andere wasserlösliche Stützmaterialien. Dafür liegt kein belegter Herstellerwert vor. PVA ist zugleich das empfindlichste Material im Regal – es zieht Wasser aus praktisch jeder Raumluft. Also konservativ vorgehen: niedrige Temperatur, lange Dauer, danach direkt in die dichte Box. Mehr unter Stützmaterial.
  • Holz-Compounds. Auch hier existiert kein sauberer Wert, weil das Mischungsverhältnis je Hersteller stark schwankt. Der Holzanteil nimmt Feuchtigkeit auf, verträgt aber Hitze schlechter als der Kunststoffanteil – deshalb am unteren Ende des Basismaterials bleiben. Details unter Holzfilament.
  • Silk, Glow, Marble und ähnliche Sondermischungen. Auch hier sind die Additive der Unsicherheitsfaktor. Sagt der Rollenaufdruck nichts, ist die vorsichtige Annahme das Basismaterial – meist PLA.

Die Regel dahinter: Ohne Herstellerangabe orientierst du dich am Basispolymer und gehst an dessen unteres Ende. Zu kühl getrocknet heißt, dass du noch einmal ran musst. Zu heiß getrocknet heißt, dass die Rolle unbrauchbar ist.

Der Backofen: was wirklich dagegen spricht

Der Backofen ist die naheliegende Notlösung, und er wird in Foren als selbstverständlich empfohlen. Er kann funktionieren – aber die Risiken gehören auf den Tisch, bevor jemand seine Rolle darin verliert.

  • Thermostate sind ungenau. Haushaltsöfen sind für Backwaren gebaut, nicht für 50 °C mit enger Toleranz. Die tatsächliche Temperatur kann deutlich über der eingestellten liegen, gerade im untersten Regelbereich, in dem viele Geräte nur noch takten statt zu regeln.
  • Es gibt heiße Zonen. Ohne Umluft steht die Wärme nicht gleichmäßig im Raum; die Seite der Spule zum Heizelement hin bekommt mehr ab als der Rest.
  • Umluft ist zweischneidig. Sie verteilt die Wärme gleichmäßiger und transportiert feuchte Luft ab. Bei vielen Geräten ist sie aber mit einer höheren realen Lufttemperatur oder einem Grill-Element gekoppelt – dann wird es genau dort zu heiß, wo es nicht sein darf.
  • Verformung beginnt vor der Glasübergangstemperatur. Der Denkfehler ist, bis kurz unter den Glasübergang zu gehen, weil „darunter passiert ja nichts“. Unter der Zugspannung der aufgewickelten Windungen kriecht das Material schon vorher: Die Windungen verbacken ineinander, oder der Strang wird oval und klemmt später im Extruder.
  • Nicht jede Spule verträgt die Wärme. Manche Spulenkerne sind aus PLA. Bei PETG-, ABS- oder PA-Temperaturen gibt die Spule vor dem Filament nach.

Wer es trotzdem tut: eigenes Thermometer hineinlegen und der Geräteanzeige nicht glauben, deutlich unter dem Zielwert anfangen, die Rolle nicht auf ein heißes Blech legen. Eine Pauschalempfehlung ist der Backofen ausdrücklich nicht – ein Gerät mit geregelter Niedrigtemperatur macht denselben Job ohne dieses Risiko.

Trockenmittel: was regeneriert werden darf und was nicht

Hier gibt es eine klare Grenze, die im Netz regelmäßig verwischt wird.

Das Trockenmittel im AMS ist laut Bambu Lab nicht wiederverwendbar. Der Hersteller sieht keinen Regenerationszyklus vor, sondern den Austausch. In Foren wird trotzdem geraten, die Kartuschen im Ofen auszubacken – dieser Artikel schließt sich dem nicht an. Wer es tut, handelt gegen die Herstellerangabe und riskiert im schlimmsten Fall ein beschädigtes Gehäuseteil im Filamentweg. Wenn dein AMS ohnehin Auffälligkeiten zeigt, hilft die Fehlerübersicht unter AMS-Störungen beim Eingrenzen.

Anders liegt der Fall bei losem Silikagel, das ausdrücklich als regenerierbar verkauft wird – meist mit Farbindikator. Temperatur und Dauer zum Ausheizen gibt der jeweilige Anbieter an, und nur diese Angabe zählt. Der Farbumschlag ist dabei kein Messinstrument, sondern ein grober Hinweis.

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Loses Silikagel mit Farbindikator ist das Verbrauchsmaterial für alles, was nach dem Trocknen kommt: Vorratsboxen, Vakuumbeutel, selbstgebaute Trockenkisten. Achte auf die Angabe des Anbieters zur Regeneration – nur wo sie ausgewiesen ist, ist Ausheizen vorgesehen. Für die Kartuschen im AMS ist dieses Segment ausdrücklich kein Ersatz, dort gilt die Vorgabe des Druckerherstellers.

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Nach dem Trocknen: den Zustand halten

Eine frisch getrocknete Rolle, die anschließend offen im Raum liegt, ist nach wenigen Tagen wieder dort, wo sie war – bei empfindlichen Materialien schneller. Deshalb gehört zum Trocknen immer der zweite Schritt: dicht verpacken, mit Trockenmittel, oder direkt aus einer geschlossenen Box heraus drucken. Wie das praktisch aussieht und welche Behälter etwas taugen, steht unter Filament richtig lagern.

  1. Warm einpacken. Die Rolle nicht stundenlang auskühlen lassen, sondern zügig in die dichte Box geben – sonst nimmt sie beim Abkühlen einen Teil zurück.
  2. Trockenmittel gehört dazu. Eine dichte Box ohne Trockenmittel konserviert nur die Luftfeuchte, die beim Schließen drin war.
  3. Reihenfolge beachten. Erst trocknen, dann lagern. Umgekehrt ist es Zeitverschwendung.
  4. Empfindliche Materialien zuletzt öffnen. PA, PVA und gefüllte Varianten bleiben bis zum Druckstart in der Verpackung.

Häufige Fragen

Kann ich Filament in der Trockenbox trocknen?

Nein. Prusa formuliert das im eigenen Handbuch unmissverständlich: „The Drybox does not dry filament.“ Eine unbeheizte Box senkt die Luftfeuchte um die Rolle und hält trockenes Material trocken. Gebundenes Wasser kommt ohne Wärme über Stunden nicht heraus. Für eine knisternde Rolle brauchst du ein beheiztes Gerät.

Kann ich Filament zu oft trocknen?

Jeder Durchgang bedeutet Stunden bei erhöhter Temperatur, und genau dabei entstehen die oben beschriebenen Risiken: verbackene Windungen, verzogene Spulen. Wer alle zwei Wochen dieselbe Rolle trocknet, hat kein Trocknungs-, sondern ein Lagerproblem.

Woran merke ich, dass eine Rolle trocken genug ist?

Am zuverlässigsten am Ohr: Wenn beim Extrudieren in die Luft kein Knistern und kein Ploppen mehr zu hören ist und der Strang gleichmäßig und glänzend herauskommt, ist der Zweck erfüllt. Sichtbare Fäden und stumpfe Oberflächen können danach immer noch von anderen Ursachen kommen – die Abgrenzung steht im Artikel zu Stringing und Fäden.

Muss ich neues Filament vor dem ersten Druck trocknen?

Nicht grundsätzlich. Vakuumverpacktes Material mit intaktem Beutel und Trockenmittel ist in der Regel druckfertig. Anders sieht es aus, wenn der Beutel offen war, die Rolle lange im Regal des Händlers lag oder es sich um PA oder ein anderes stark hygroskopisches Material handelt – da ist ein Durchgang vor dem ersten Druck oft die günstigere Entscheidung als ein verlorener Nachtdruck.

Fazit

Trocknen ist keine Geheimwissenschaft, sondern eine Frage von zwei Zahlen: der richtigen Temperatur und der ausreichenden Dauer. Die Tabelle oben liefert beides für die gängigen Materialien, und wo kein belegter Wert existiert – PVA, Holz-Compounds, exotische Mischungen –, steht das hier ausdrücklich, statt eine Zahl zu erfinden.

Zwei Sätze bleiben hängen. Erstens: Eine Trockenbox trocknet nicht, sie hält trocken – so schreibt es Prusa selbst. Zweitens: Das AMS-Trockenmittel ist laut Bambu Lab nicht wiederverwendbar. Wer beides beachtet, den Backofen als Notlösung mit realen Risiken behandelt und nach dem Trocknen dicht lagert, hat den größten Teil der Feuchtigkeitsprobleme vom Tisch.

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