Datenblätter reden in Kürzeln: MEX, VPP, MSLA, ACH, TVOC. Wer ein Gerät auswählt oder eine Anleitung liest, stolpert über Begriffe, die nirgends erklärt werden – und deren Bedeutung darüber entscheidet, ob eine Angabe beeindruckend oder belanglos ist. Dieses Lexikon erklärt 60 Begriffe aus Norm und Herstellerdokumenten, alphabetisch sortiert, jeweils mit der Quelle dahinter. Wo ein eigener Artikel tiefer geht, steht der Link im Eintrag.
Zwei Quellenarten, sonst nichts: Die Verfahrens- und Grundbegriffe stammen aus der Terminologienorm ISO/ASTM 52900:2021, im Eintrag als „Norm“ gekennzeichnet; alle technischen Angaben zu Bauteilen, Werten und Diensten stammen aus Herstellerdokumenten, abgerufen am 19.08.2026, und nennen den Hersteller im Text. Wir haben keines der genannten Geräte getestet und keine der genannten Zahlen nachgemessen. Herstellerangaben sind Spezifikationen, keine Prüfergebnisse – wo eine Zahl im Datenblatt fehlt, steht sie auch hier nicht.
Zahlen
405 nm
Die Wellenlänge des UV-Lichts, mit dem Consumer-Resindrucker belichten. Sie taucht doppelt auf: im Drucker als Lichtquelle und in der Härtestation, etwa bei Elegoos Mercury-Plus-Station mit 24 UV-LEDs bei 405 nm. Material und Lichtquelle müssen zusammenpassen – wie das Waschen und Härten abläuft, steht im eigenen Artikel.
A
Abrasive Filamente
Faserverstärkte oder gefüllte Filamente wie Carbon-, Glasfaser- oder PPS-CF-Varianten, die den Düsenverschleiß deutlich erhöhen. Bambu und Prusa begründen mit genau diesem Materialtyp ihre harten Düsenausführungen. Für die Gerätewahl heißt das: Wer solche Werkstoffe plant, braucht eine passende Düse und häufig auch eine höhere Hotend-Temperatur. Details stehen im Artikel zu Carbonfilament.
Additive Fertigung
Der Oberbegriff für alle Schichtbauverfahren, laut Norm „process of joining materials to make parts from 3D model data, usually layer upon layer“. Darunter fällt der Filamentdruck auf dem Schreibtisch ebenso wie industrielle Metallverfahren. Beim Einstieg hilft die Übersicht zum Einsteigergerät.
Aktivkohlefilter
Filtermedium, das flüchtige organische Verbindungen und Gerüche bindet. Creality verbaut ihn im HALOT-MAGE S fest, Elegoo bietet ihn als Wechselfilter für den Mars-Mate-Luftreiniger an, Flashforge kombiniert ihn beim Adventurer 5M Pro mit einer HEPA-Lage. Standzeiten nennt keiner dieser Hersteller. Wie solche Filter arbeiten, erklärt der Artikel zum Aktivkohlefilter.
Auto-Leveling
Der automatische Ausgleich der Bauplattform ohne manuelle Schraubjustage. Elegoo führt beim Mars 5 ein „One-Click-Auto-Leveling“, bei Filamentdruckern heißen vergleichbare Funktionen je nach Hersteller anders. Die Funktion ersetzt nicht das Verständnis für den Düsenabstand, sondern nur das Drehen an Rändelschrauben. Wie das von Hand geht, steht beim Nivellieren des Betts.
B
Badbasierte Photopolymerisation (VPP)
Das Normverfahren hinter allen Resindruckern: „process in which liquid photopolymer in a vat is selectively cured by light-activated polymerization“. Ob dabei ein Laser, ein Projektor oder ein LCD als Maske arbeitet, spielt für die Einordnung keine Rolle. Consumer-Geräte nutzen fast durchgehend die LCD-Variante. Welches Verfahren zu deinem Vorhaben passt, klärt Resin oder FDM.
Bambu Farm Manager
Bambus Software zur Verwaltung mehrerer Drucker im lokalen Netz, unterstützt laut Hersteller X1C, P1S, P1P, A1 und A1 mini. Der Betrieb läuft „only within your local network through an encrypted channel“, der Client benötigt aber Internetzugang für Serveraktivierung, Druckerprüfung und Firmware-Downloads sowie ein Bambu-Konto. Eine feste Obergrenze für die Zahl der Drucker nennt Bambu nicht. Wann sich mehrere Geräte lohnen, steht im Artikel zum Zweitgerät.
Bauplattform
Nach der Norm die „base which provides a surface upon which the building of the parts is started“. Beim Filamentdruck ist das meist eine beheizte Platte mit wechselbarer Auflage, beim Resindruck eine Metallplatte, die aus dem Harz gezogen wird – Verschleißteil und Justagepunkt zugleich. Zur FDM-Bauform siehe Federstahlblech.
Bauraum
Das „total usable volume available in the machine for building parts“ laut Norm – also das Maß, in das dein Bauteil passen muss. Herstellerangaben nennen drei Zahlen in Millimetern; bei Geräten mit zwei Düsen kann der nutzbare Bereich im Doppelbetrieb kleiner sein als im Einzelbetrieb. Prüfe deshalb, welcher Wert im Datenblatt gemeint ist. Große Formate vergleicht der Artikel zum großen Bauraum.
Belichtungszeit
Die Dauer, für die eine Schicht im Resindrucker bestrahlt wird. Anycubic nennt in den eigenen Parametertabellen je nach Harz 1,4 bis 5,0 Sekunden und weist ausdrücklich darauf hin, die Werte kämen „from the Anycubic Laboratory and is for reference only“. Sie hängen von Harz, Gerät und Raumtemperatur ab und sind der wichtigste Stellhebel bei fehlgeschlagenen Drucken. Welche Harze es gibt, ordnet der Artikel zu den Resin-Arten ein.
Binder Jetting (BJT)
Normverfahren, „in which a liquid bonding agent is selectively deposited to join powder materials“. Ein Druckkopf trägt Bindemittel auf ein Pulverbett auf, das Bauteil wird meist nachbehandelt. Im Heimbereich spielt es keine Rolle, in der Norm steht es gleichrangig neben den bekannteren.
C
Cluster-Druck
Die Verwaltung mehrerer Drucker als Verbund über eine Oberfläche. Elegoo gibt „cluster printing management“ für den Saturn 4 Ultra 16K an, beschreibt den Funktionsumfang aber nicht näher; bei Filamentgeräten übernehmen das Herstellerprogramme oder selbst gehostete Lösungen. Was ein solcher Verbund verlangt, steht im Artikel zur Kleinserie.
COB-Lichtquelle
Chip-on-Board-LED als Belichtungseinheit im Resindrucker, bei Elegoo mit 405 nm Wellenlänge. Die Bauform bringt viele Leuchtpunkte dicht nebeneinander unter und wird meist mit einer Kollimationsoptik kombiniert. Angaben zur Lebensdauer der Lichtquelle nennen die Hersteller selten.
D
Directed Energy Deposition (DED)
Normverfahren, „in which focused thermal energy is used to fuse materials by melting as they are being deposited“. Typisch sind Metallpulver oder -draht, die im Auftreffpunkt aufgeschmolzen werden; industriell dient das Verfahren auch der Reparatur bestehender Bauteile.
Doppelzahnrad-Direktextruder
Eine Fördereinheit mit zwei gegenläufigen Zahnrädern, die direkt am Hotend sitzt. Elegoo verbaut sie in der OrangeStorm Giga. Der kurze Weg zwischen Antrieb und Schmelze ist vor allem bei flexiblen Filamenten von Vorteil. Zum Verschleißbild siehe den Artikel zum Extruderzahnrad.
Düse (Nozzle)
Die Austrittsöffnung des Hotends, gekennzeichnet durch Durchmesser und Werkstoff. Elegoo bietet für die OrangeStorm Giga 0,4, 0,6, 0,8 und 1,0 mm an; große Durchmesser bedeuten mehr Materialdurchsatz, kleinere feinere Details. Die Bauform ist herstellerabhängig – viele neuere Geräte nutzen eigene Düsenträger statt einer Standarddüse. Die Übersicht steht im Artikel zu Düsen.
An dieser Stelle steht die Box, weil sich die drei Düsen-Einträge dieses Lexikons – Düse, gehärteter Stahl und Wolframkarbid – in genau einer Kaufentscheidung treffen: Werkstoff und Durchmesser. Prüfe vor dem Kauf, welche Bauform dein Hotend verlangt und welchen Durchmesser du tatsächlich fährst; Gewinde- und Längenmaße unterscheiden sich zwischen den Systemen. Die Angabe steht in der Dokumentation deines Geräts.
E
EN 166
Die europäische Norm für persönlichen Augenschutz. Das Sicherheitsdatenblatt von Elegoo verlangt beim Umgang mit Harz eine Schutzbrille nach EN 166 beziehungsweise nach US-NIOSH-Vorgabe. Eine normale Korrekturbrille erfüllt das nicht.
EN 374
Die Prüfnorm für Chemikalienschutzhandschuhe. Elegoo verlangt im Sicherheitsdatenblatt Handschuhe nach EN 374 – in der EU – oder nach US F739 beziehungsweise AS/NZS 2161.1 und nennt Butylkautschuk als Beispiel. Die Norm sagt etwas über die Prüfung des Materials aus, nicht über die Passform. Was zur Ausrüstung gehört, steht im Artikel zur Resin-Schutzausrüstung.
F
Fehler- und Spaghetti-Erkennung
Das maschinelle Erkennen fehlgeschlagener Drucke über eine Kamera. Bambu gibt an, dass die Erkennung auch im LAN-Modus weiterläuft, weil „all the data processing is done locally“; im Cloud-Modus wird das zugrunde liegende Modell regelmäßig aktualisiert. Die Funktion stoppt Fehldrucke, verhindert sie aber nicht. Woran solche Fehldrucke entstehen, steht im Artikel zum Spaghetti-Fehldruck.
Filamenttrocknung im Multimaterial-System
Die aktive Beheizung der Filamentkammer eines Vorsatzgeräts. Anycubic nennt für den ACE 2 Pro eine maximale Trocknungstemperatur von 65 °C; Elegoo gibt für den CANVAS ausdrücklich keine Trocknungsfunktion an. Das ist einer der wenigen harten Unterschiede zwischen diesen Systemen. Grundlagen dazu stehen beim Filamenttrocknen.
Fresnel-Kollimationslinse
Eine Optik, die das UV-Licht über die Displayfläche parallel ausrichtet. Anycubic nennt sie für den Photon Mono 4 Ultra, Elegoo für den Saturn 4 Ultra. Ziel ist eine gleichmäßige Belichtung bis in die Ecken, damit Randbauteile nicht anders aushärten als mittige.
G
Gehärteter Stahl (Düse)
Eine verschleißfestere Düsenausführung für abrasive Materialien. Prusa beschreibt die eigene ObXidian als gehärteten Stahl mit korrosionsbeständiger Beschichtung, „particularly suitable for printing with abrasive materials like carbon fiber“, und nennt die kompatiblen Modellreihen einzeln. Für Standardmaterialien nennt der Hersteller keinen Vorteil. Mehr dazu im Artikel zur gehärteten Düse.
Grundschichten (bottom layers)
Die ersten Schichten eines Resindrucks, die deutlich länger belichtet werden, damit das Bauteil auf der Plattform hält. Anycubic nennt dafür 10 bis 60 Sekunden, gegenüber 1,4 bis 5,0 Sekunden für normale Schichten. Zu kurze Grundschichten sind eine der häufigsten Ursachen für abgelöste Drucke. Das Gegenstück beim Filamentdruck behandelt der Artikel Druck löst sich.
H
Harztank-Heizung
Eine Beheizung des Harzes auf konstante Temperatur. Elegoo nennt für Saturn 4 Ultra 16K und Jupiter 2 einen auf 30 °C beheizten Harztank, Anycubic beim M7 Pro eine regelbare Heizung von 20 bis 40 °C mit Werksvorgabe 25 °C. Sinn der Sache ist die Unabhängigkeit von der Raumtemperatur, die sonst Belichtungszeiten verschiebt.
Hautsensibilisierung Kategorie 1
Eine GHS-Einstufung, die im Sicherheitsdatenblatt von Elegoo für Harz geführt wird, mit dem H-Satz „May cause an allergic skin reaction“. Dazu kommen Hautreizung Kategorie 2 und schwere Augenreizung Kategorie 2A. Eine einmal erworbene Sensibilisierung bleibt bestehen – deshalb ist Hautkontakt beim Harzdruck keine Frage der Gewöhnung, sondern konsequent zu vermeiden.
Heatbreak
Die thermische Trennstelle zwischen dem kalten und dem heißen Teil des Extruders. Elegoo verbaut in der OrangeStorm Giga einen Titan-Heatbreak, weil Titan Wärme schlechter leitet als Stahl. Ein schlecht funktionierender Heatbreak führt dazu, dass Filament zu früh weich wird und der Vorschub blockiert. Bei Bowden-Aufbauten sitzt hier oft ein PTFE-Schlauch.
Hotend
Die beheizte Baugruppe aus Heizblock, Heizpatrone, Temperaturfühler, Heatbreak und Düse. Creality bietet für die K2-Serie ein Keramik-Heizblock-Kit als Nachrüstung an; Bambu weist darauf hin, dass Hotends der A1-Serie nicht mit der H2D Pro kompatibel sind. Die maximale Düsentemperatur des Hotends entscheidet darüber, welche Materialien überhaupt möglich sind. Zum kompletten Tausch siehe Hotend komplett.
I
Isopropanol (IPA)
Das übliche Reinigungslösemittel für frisch gedruckte Harzteile. Elegoo verlangt Ethanol oder Isopropanol mit 95 Prozent oder mehr, sofern kein water-washable Resin verwendet wird. Formlabs weist darauf hin, das Mittel nur mit Handschuhen, in gut belüfteten Räumen und fern von Hitze und offenen Flammen zu verwenden. Zur Handhabung siehe Resin-Reinigung mit IPA.
K
Kammertemperatur
Die Temperatur im geschlossenen Bauraum. Die Prusa CORE One L heizt laut Hersteller aktiv bis 60 °C mit geregelter Entlüftung, mehrere geschlossene Geräte anderer Hersteller nennen 65 °C. Für technische Werkstoffe ist das keine Komfortfunktion: QIDI verlangt für PPS-CF ausdrücklich eine aktiv beheizte Kammer und stellt klar, dass ein passives Gehäuse nicht genügt. Was eine Einhausung leistet, steht im eigenen Artikel.
Klipper
Eine Druckerfirmware mit geteilter Architektur: Ein Host-Rechner – etwa ein Raspberry Pi – übernimmt die Berechnung, der Mikrocontroller im Drucker führt die Bewegungen aus. Die offizielle Dokumentation erwähnt keine Cloud- oder Internetdienste. Die häufig genannten Weboberflächen Mainsail und Fluidd sind in der Kerndokumentation nicht als offizielle Bestandteile beschrieben. Mehr dazu im Artikel zu Netzwerk und Fernzugriff.
L
LAN-Modus
Der Betrieb im lokalen Netz ohne Cloud. Bei Bambu entfallen dabei laut Hersteller-Wiki der Fernzugriff von außerhalb des Netzes, die Live-Ansicht in der Handy-App und die Druckhistorie; Dateiübertragung und Überwachung im lokalen Netz bleiben. Ob dabei ein Konto nötig ist, sagt die Wiki-Seite nicht. Bei Creality, Anycubic und Elegoo existieren LAN-Anleitungen, deren Inhalt sich maschinell nicht auslesen ließ – das ist eine Datenlücke, keine Aussage über die Geräte.
Lichtintensität (µW/cm²)
Die Bestrahlungsstärke auf der Displayfläche eines Resindruckers, angegeben in Mikrowatt pro Quadratzentimeter. Anycubic nennt für den Photon Mono 4 Ultra „≥3500 µW/cm²“. Höhere Werte erlauben tendenziell kürzere Belichtungszeiten, sind aber nur innerhalb desselben Geräts ein sinnvoller Vergleichsmaßstab.
Luftwechselrate (ACH)
Die Anzahl vollständiger Raumluftwechsel pro Stunde. Formlabs fordert für Räume mit SLA-Geräten „at least three full air exchanges per hour“ und schließt geschlossene, unbelüftete Räume wie Abstellkammern aus. Die Angabe gilt dem Raum, nicht dem Gerät – und ausdrücklich nicht für den Filamentdruck. Umsetzungswege beschreibt der Artikel zur Resin-Lüftung.
M
Materialextrusion (MEX)
Das Normverfahren, „in which material is selectively dispensed through a nozzle or orifice“ – umgangssprachlich FDM oder FFF. Es ist das Verfahren praktisch aller Filamentdrucker. Die Norm verwendet bewusst den neutralen Begriff, weil FDM ein geschützter Handelsname war. Welche Werkstoffe dabei infrage kommen, ordnet der Artikel zu den Filamentarten ein.
Material Jetting (MJT)
Normverfahren, „in which droplets of feedstock material are selectively deposited“. Der Aufbau ähnelt einem Tintenstrahldrucker, nur werden die Tropfen ausgehärtet statt aufgesaugt. Das Verfahren ist industriell verbreitet, im Heimbereich nicht.
Mono-LCD
Das monochrome Maskendisplay eines MSLA-Druckers, das die Belichtung Schicht für Schicht freigibt. Aktuelle Geräte reichen von 4K bis 16K Auflösung, beim Elegoo Saturn 4 Ultra 16K nennt der Hersteller 15120 × 6230 Pixel. Das Display ist ein Verschleißteil: Phrozen nennt für den Sonic Mighty 16K „2.000+ Stunden“, was laut Hersteller etwa acht Monaten bei acht Stunden täglichem Druck entspricht. Zum Tausch siehe LCD-Tausch.
MSLA
Masked Stereolithography: die Bauart der badbasierten Photopolymerisation, bei der ein monochromes LCD als Maske vor einer UV-Lichtquelle steht und die gesamte Schicht auf einmal belichtet. Elegoo führt den Saturn 4 Ultra 16K unter dieser Technologiebezeichnung. Weil jede Schicht in einem Belichtungsschritt entsteht, hängt die Druckzeit an der Höhe des Bauteils, nicht an der Zahl der Teile auf der Platte. Für den Einstieg siehe Resin-Drucker für Einsteiger.
Multimaterial-System
Ein Vorsatzgerät, das Filamente automatisch wechselt – etwa Bambu AMS, Creality CFS, Anycubic ACE 2 Pro, Elegoo CANVAS oder Prusa MMU3. Vier Kanäle sind der verbreitete Standard, über Hubs sind bei Anycubic bis zu 16 Farben angegeben. Entscheidend beim Kauf ist die Kompatibilitätsliste des Herstellers, nicht die Farbzahl. Die Systeme vergleicht der Multimaterial-Vergleich.
N
Nachhärten (Post-Curing)
Die abschließende UV-Bestrahlung eines gewaschenen Harzteils. Laut Formlabs ist sie bei manchen Materialien nötig, um die höchstmögliche Festigkeit zu erreichen. Sie ist damit kein optionaler Feinschliff, sondern Teil des Verfahrens. Ablauf und Geräte beschreibt der Artikel zum Waschen und Härten.
Nitrilhandschuhe
Die von Formlabs vorgeschriebene Handschuhart beim Umgang mit flüssigem Harz: „Always wear non-reactive nitrile or neoprene gloves“. Elegoo verlangt im Sicherheitsdatenblatt Handschuhe nach EN 374 und nennt Butylkautschuk als Beispiel. Latex- oder Haushaltshandschuhe sind kein Ersatz. Was sonst zur Ausrüstung gehört, steht bei der Schutzausrüstung.
Diese Box steht hier, weil drei Einträge dieses Lexikons – Nitrilhandschuhe, EN 374 und Hautsensibilisierung – auf denselben Gegenstand hinauslaufen: Handschutz beim Harzdruck. Prüfe vor dem Kauf, ob die Produktangaben eine Prüfung nach der einschlägigen Norm für Chemikalienschutz ausweisen, und achte auf Größe und Materialstärke. Handschuhe ohne diese Angabe sind Einweghandschuhe für die Küche, kein Chemikalienschutz.
O
OctoPrint
Eine selbst gehostete, quelloffene Weboberfläche unter AGPL, mit der sich Drucker überwachen und steuern lassen: Webcam-Feed, Druckjobs, Temperaturen, Achsen, GCODE-Visualisierung und ein Plugin-System. Das Projekt bezeichnet sich als „compatible with most of the available consumer 3D printers“ und nennt keinerlei Cloud-Betrieb. Du brauchst dafür einen eigenen Rechner, der läuft. Zur Kameraseite siehe Druckerkamera.
P
PEI-Druckplatte
Eine mit Polyetherimid beschichtete Federstahlplatte als Druckunterlage, glatt oder strukturiert. Die Elegoo OrangeStorm Giga nutzt vier PEI-Magnetplatten mit je 410 × 410 mm. Die Beschichtung ist Verschleißteil und der häufigste Grund für Haftungsprobleme nach längerem Gebrauch. Details stehen im Artikel zur PEI-Druckplatte.
Photopolymer
Der Fachbegriff für lichthärtendes Harz. Das Sicherheitsdatenblatt von Elegoo beschreibt es als „awfully sensitive to 385nm–410nm UV light“ – deshalb gehören angebrochene Flaschen dunkel und kühl gelagert. Ausgehärtetes und flüssiges Harz sind sicherheitstechnisch nicht dasselbe: Die Einstufungen des Datenblatts gelten dem flüssigen Zustand. Zu den Sorten siehe Resin-Arten.
Powder Bed Fusion (PBF)
Normverfahren, „in which thermal energy selectively fuses regions of a powder bed“. Laser oder Elektronenstrahl schmelzen Kunststoff- oder Metallpulver Schicht für Schicht. Das Pulverbett stützt das Bauteil dabei selbst, weshalb komplexe Geometrien ohne zusätzliche Stützen möglich sind.
Power-Loss-Recovery
Die Fähigkeit, einen Druck nach einem Stromausfall an der Unterbrechungsstelle fortzusetzen. Elegoo und Anycubic führen die Funktion in ihren Datenblättern. Wie gut die Naht an der Fortsetzungsstelle ausfällt, gibt kein Hersteller an.
Prusa Connect
Der cloudbasierte Dienst von Prusa: Fernzugriff, Mobil-App, Benachrichtigungen und im kostenlosen Umfang „1 GB cloud storage for G-codes and telemetry“, für Druckfarmen zusätzlich Produktionsstatistiken. Er setzt Internet und ein Prusa-Konto voraus. Welche Telemetriefelder übertragen werden, schlüsselt die Knowledge Base nicht auf. Zum Herstellervergleich siehe Bambu Lab oder Prusa.
PrusaLink
Die lokal auf dem Drucker laufende Weboberfläche von Prusa, laut Hersteller „accessible only on your local network“ und über die IP-Adresse des Geräts erreichbar. Sie erlaubt Überwachung, Datei-Upload und Drucksteuerung ohne Internet und ohne Prusa-Konto. Damit ist sie die einzige Funktion im Feld, für die die Kontofreiheit ausdrücklich dokumentiert ist. Mehr im Artikel zu Netzwerk und Fernzugriff.
R
RFID-Filamenterkennung
Das automatische Auslesen von Spulendaten über einen Funkchip, damit Gerät und Software Material und Farbe kennen. Elegoo führt die Funktion für das CANVAS-System. Sie funktioniert nur mit Spulen, die einen entsprechenden Chip tragen – bei Fremdmaterial bleibt die Handeingabe. Störungsbilder solcher Systeme behandelt der Artikel zu AMS-Störungen.
S
Schicht (layer)
Nach der Norm „material laid out, or spread, to create a surface“ – die Grundeinheit jedes additiven Verfahrens. Beim Filamentdruck entsteht sie aus nebeneinandergelegten Bahnen, beim Resindruck durch eine Belichtung. Die erste Schicht hat eine Sonderrolle, weil sie die Haftung bestimmt: siehe erste Schicht.
Schichthöhe
Die Dicke einer einzelnen Schicht in Z-Richtung. Bei aktuellen MSLA-Geräten geben Hersteller Bereiche von 0,01 bis 0,30 mm an; Anycubic nennt in den eigenen Parametertabellen 0,05 mm für hohe Präzision und 0,1 mm für schnellere Modi. Eine Herstellerempfehlung speziell für Miniaturen von Elegoo, Phrozen oder Creality ließ sich nicht belegen. Beim Filamentdruck hängt die sinnvolle Schichthöhe am Düsendurchmesser.
Sheet Lamination (SHL)
Normverfahren, „in which sheets of material are bonded to form a part“. Folien oder Bleche werden aufeinandergeklebt oder verschweißt und konturiert geschnitten – heute vor allem eine Nischenanwendung.
Stützstruktur
Nach der Norm eine „structure separate from the part geometry that is created to provide a base and anchor for the part“. Sie trägt Überhänge während des Baus und wird danach entfernt. Beim Resindruck bestimmt sie zusätzlich, wie die Absaugkräfte beim Ablösen verteilt werden. Zum Filamentdruck siehe Stützmaterial.
T
Tilt Release
Eine Ablösemechanik im Resindrucker, bei der die Harzwanne kippt, statt die Bauplattform rein senkrecht abzuziehen. Elegoo führt sie beim Saturn 4 Ultra und begründet sie mit schnellerem Ablösen der Schicht. Weniger Zugkraft bedeutet weniger Belastung für Trennfolie und Stützen.
Trennfolie / FEP-Folie
Die transparente Folie im Boden der Harzwanne, von der sich jede belichtete Schicht wieder lösen muss. Elegoo meldet für den Mars 5 Ultra einen Systemhinweis nach 60.000 Nutzungszyklen und nennt als Wechselkriterien Trübung, Kratzer und fehlende Elastizität. Sie ist das klassische Verbrauchsteil des Resindrucks. Details im Artikel zur FEP-Folie.
TVOC
Der Summenparameter für flüchtige organische Verbindungen in der Raumluft. Elegoo gibt für den Mars-Mate-Luftreiniger eine „purification efficiency of up to 95 % for TVOC“ an, Creality wirbt beim HALOT-MAGE S mit einer um 33 Prozent besseren VOC-Entfernung. Beides sind Herstellerangaben ohne genannte Messbedingung. Was beim Drucken überhaupt entsteht, behandelt der Artikel zu Emissionen und Geruch.
W
Waschen (Wash)
Das Entfernen unausgehärteten Harzes vom fertigen Bauteil. Elegoo verlangt dafür Ethanol oder Isopropanol mit mindestens 95 Prozent, sofern kein water-washable Resin verwendet wird, und verweist auf die eigene Wasch- und Härtestation. Das Waschen gehört zum Verfahren, nicht zur Kosmetik. Geräte dafür ordnet der Artikel zu Wash and Cure ein.
Water-washable Resin
Eine Harzvariante, die sich laut Hersteller ohne Alkohol mit Wasser reinigen lässt. Das spart Lösemittel, ändert aber nichts an den Schutzmaßnahmen im Umgang mit dem flüssigen Harz. Das Waschwasser enthält anschließend Harzreste und gehört nicht in den Abfluss. Zu den Sorten siehe Resin-Arten.
Wolframkarbid-Düse
Die derzeit härteste dokumentierte Düsenausführung im Consumer-Bereich. Bambu gibt für die Wolframkarbid-Düse der H2D Pro HRA 90 gegenüber HRA 74 bei gehärtetem Stahl an und nennt „a 50 % increase in lifespan“ beim Druck abrasiver, faserverstärkter Filamente; freigegeben ist sie unter anderem für PPA-CF/GF, PPS und PPS-CF. Eine Standzeit in Kilogramm oder Stunden nennt der Hersteller nicht. Zu harten Düsenwerkstoffen siehe Rubin- und Diamantdüsen.
X und Z
XY-Auflösung / Pixelgröße
Die Kantenlänge eines Displaypixels in der Bauebene eines Resindruckers, angegeben in Mikrometern. Aktuelle Geräte liegen laut Herstellerangaben zwischen 14 und 46 µm – etwa 14 × 19 µm beim Elegoo Saturn 4 Ultra 16K und 46 × 46 µm beim Anycubic Photon Mono M7 Max. Ein vergleichbarer herstellerseitiger Wert für Filamentdrucker existiert nicht, weshalb Vergleiche über die Verfahrensgrenze hinweg nicht tragen. Wo feine Pixel zählen, zeigt der Artikel zu Miniaturen.
Z-Achsen-Genauigkeit
Die herstellerseitig angegebene Positioniergenauigkeit der Hubachse, bei Elegoo für den Mars 5 Ultra mit 0,02 mm beziffert. Sie beschreibt, wie exakt die Achse eine Position anfährt – nicht, wie exakt das Bauteil am Ende ist. Maßhaltigkeit hängt zusätzlich an Belichtung, Harzschrumpf und Nachhärtung.
Was dieses Lexikon nicht leisten kann
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind Herstellerangaben Spezifikationen: Eine Zahl im Datenblatt sagt, was der Hersteller zusagt – nicht, was ein Gerät im Alltag leistet. Zweitens gibt es Begriffe, zu denen sich nichts Belastbares finden ließ, etwa Angaben zur zulässigen Luftfeuchte im Betrieb oder Wartungsintervalle bei mehreren Anbietern; solche Lücken sind hier als Lücken benannt. Drittens wechseln Marketingbegriffe schneller als Normen – ein Herstellername steht hier nur, wenn der Hersteller ihn selbst definiert.
Fehlt ein Begriff, kommt er meist nur in Werbetexten vor. Die Norm ISO/ASTM 52900 kennt sieben Verfahrensfamilien, die Hersteller dokumentieren dazu Bauteile, Werte und Dienste – alles Weitere ist Auslegung. Genau deshalb steht in jedem Eintrag, woher die Angabe kommt.
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