Schleifen, Grundieren, Lackieren: 3D-Druck veredeln

Ein gedrucktes Teil sieht auch nach dem Entgraten noch gedruckt aus: Schichtlinien, matte Oberfläche, die Farbe der Rolle. Wer daraus ein Objekt machen will, das nicht mehr nach Werkstatt aussieht, landet bei drei Arbeitsschritten, die aufeinander aufbauen – schleifen, grundieren, lackieren. Jeder davon kann das Ergebnis retten oder ruinieren, und der häufigste Fehler passiert ganz am Anfang: zu früh zur Farbe greifen. Dieser Artikel beschreibt die Reihenfolge, die belegten Herstellerangaben dazu und die Stellen, an denen es dazu schlicht keine gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Formlabs empfiehlt in seinem Herstellerguide zum Grundieren und Lackieren ein stufenweises Schleifen: grob mit 220er und 320er Körnung, danach 400er und 600er für den Feinschliff, Politur erst ab Körnungen über 600 – und zwar vor der Grundierung.
  • Der Lackaufbau laut derselben Quelle: 2 bis 3 dünne Grundlackschichten aus 15 bis 20 cm Abstand, dazwischen polieren, dann 1 bis 2 Decklackschichten, zum Schluss Klarlack.
  • Formlabs nennt als Aushärtezeit vor Belastung mindestens eine Woche. Trocken anzufassen heißt nicht durchgehärtet.
  • Als Grundierungen nennt der Guide Sprühprimer von Tamiya (dünn, detailerhaltend) sowie Krylon und Montana als dickflüssigere Alternativen.
  • Datenlücke: Zu Schleifen und Lackieren von PLA, PETG oder ABS gibt es kein Datenblatt eines Filamentherstellers. Die zitierte Quelle ist ein 3D-Druck-Hersteller mit Resin-Schwerpunkt, kein FDM-Filamentproduzent – die Werte sind belegte Empfehlungen, keine materialspezifische Freigabe.
  • Tiefe Schichtrillen und Lücken schleift man nicht weg, sondern füllt sie – das ist ein eigener Arbeitsschritt vor der Farbe.

Brauchst du das überhaupt?

Für die Mehrzahl der Drucke lautet die Antwort nein, und das ist keine Koketterie. Ein Halter hinter dem Schrank, ein Ersatzteil in der Waschmaschine, eine Vorrichtung auf der Werkbank – all das wird durch Lack nicht besser, sondern nur maßhaltiger im schlechten Sinn: Jede Schicht trägt auf, und in Passungen, Bohrungen und Gewinden ist genau das ein Problem.

Sinnvoll ist der Aufwand in vier Fällen. Erstens bei Sichtteilen, die jemand in die Hand nimmt: Figuren, Gehäuse, Modellbau, Requisiten. Zweitens, wenn die gewünschte Farbe nicht als Filament vorliegt oder mehrere Farben auf ein Teil sollen, ohne Multimaterial zu drucken. Drittens bei Teilen, die dauerhaft draußen stehen – eine geschlossene Lackschicht ist dort zusätzlicher Schutz, ersetzt aber nicht die Materialwahl; siehe Filament für den Außenbereich. Viertens, wenn die Oberfläche haptisch stört, etwa bei einem Griff.

Ein Hinweis zur Reihenfolge: Bevor du schleifst, gehört das Teil sauber entgratet – Stützreste, Elefantenfuß-Kante, Brim-Grat. Das ist reine Mechanik und steht im Artikel zum Entgraten und Nachbearbeiten. Schleifpapier ist das falsche Werkzeug, um einen Stützrest abzutragen.

Was belegt ist – und was nicht

Die einzige durchgängige Herstellerdokumentation zu dieser Arbeitskette, die sich zitieren lässt, stammt von Formlabs („Wie Sie 3D-gedruckte Teile grundieren und lackieren“). Sie beschreibt drei Dinge konkret:

  • Schleiffolge: grob mit 220er und 320er Körnung, um Spuren von Stützstrukturen zu entfernen; anschließend 400er und 600er für den Feinschliff; Politur ab Körnungen über 600 – und das alles vor der Grundierung.
  • Grundierung: Sprühprimer von Tamiya werden als dünn und gleichmäßig beschrieben, sodass Feindetails erhalten bleiben; Krylon und Montana gelten in derselben Quelle als dickflüssigere Alternativen.
  • Lackaufbau: 2 bis 3 dünne Grundlackschichten aus 15 bis 20 cm Abstand, dazwischen eine Zwischenpolitur, danach 1 bis 2 Decklackschichten und abschließend Klarlack. Vor Belastung mindestens eine Woche aushärten lassen.

Jetzt die Einschränkung, die man dazusagen muss: Formlabs ist primär ein Resin-Hersteller. Der Guide ist materialübergreifend formuliert, aber er ist kein FDM-Filamentdatenblatt. Und ein solches gibt es zu diesem Thema nicht – in der Recherche zu dieser Artikelserie ließ sich kein Datenblatt eines Filamentherstellers finden, das eigene Schleif- oder Lackierempfehlungen für PLA, PETG oder ABS ausspricht. Was du also hast, sind belegte Praxiswerte eines Herstellers aus derselben Branche. Was du nicht hast, ist eine materialspezifische Freigabe für dein konkretes Filament.

Praktisch heißt das: Körnungsfolge und Lackaufbau kannst du übernehmen. Bei allem, was am konkreten Produkt hängt – Haftung, Trockenzeiten, Verträglichkeit von Grundierung und Decklack –, gilt die Angabe auf der Dose. Und die Probe an einem Reststück, bevor das gute Teil dran ist; welches Material du überhaupt vor dir hast, ordnet der Vergleich PLA gegen PETG ein.

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Der Einstieg in dieses Thema ist kein Werkzeug, sondern ein Körnungssortiment. Prüfe vor dem Kauf zwei Dinge: ob die Körnungen abgedeckt sind, die du wirklich brauchst – grob zum Abtragen, mittel zum Egalisieren, fein vor der Grundierung – und ob das Papier nass verwendet werden darf. Nassschleifen bindet den Staub und setzt das Papier langsamer zu.

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Worauf es beim Kauf ankommt

Die Materialliste ist kurz, aber jede Position hat ein Kriterium, an dem sich Ärger entscheidet.

Position Worauf du achtest
Schleifpapier Abgestufte Körnungen statt einer einzelnen; nassschleiffähig, wenn du Staub vermeiden willst. Der grobe Anfang bestimmt, wie viel Feinarbeit folgt.
Schleifträger Ein Klotz oder harter Träger für Flächen, ein flexibles Pad für Rundungen. Freihändig geschliffene Flächen werden wellig.
Grundierung Für Kunststoff geeignet und mit dem Decklack verträglich – am sichersten aus derselben Produktfamilie. Dünn auftragende Primer erhalten Details, dickflüssige füllen mehr.
Decklack Sprühdose oder Airbrush. Bei der Dose entscheidet das Sprühbild; bei kleinen Teilen ist ein feiner Sprühkegel wichtiger als die Füllmenge.
Klarlack Legt den Glanzgrad fest – matt, seidenmatt, glänzend – und schützt die Farbschicht. Muss zum Decklack passen.
Zubehör Abklebeband für Mehrfarbigkeit, ein Halter oder Draht zum Drehen des Teils beim Sprühen, eine Unterlage. Nichts davon ist Luxus.

Spraydose oder Airbrush? Für einzelne Teile und ganze Flächen reicht die Dose und ist schneller einsatzbereit. Eine Airbrush lohnt erst bei Farbverläufen, sehr kleinen Flächen oder Serien – und bringt eigenen Reinigungsaufwand mit.

So gehst du vor

  1. Entgraten und säubern. Stützreste, Grat und Nasen weg, bevor Schleifpapier ins Spiel kommt. Danach das Teil entfetten – Hautfett von den Fingern ist eine der häufigsten Ursachen für Stellen, an denen Lack nicht hält.
  2. Grob schleifen. Nach dem Formlabs-Guide mit 220er und 320er Körnung, um Spuren von Stützstrukturen abzutragen. Wichtig: gleichmäßiger Druck und immer mit Träger, nicht mit der bloßen Fingerkuppe.
  3. Fein schleifen. Weiter mit 400er und 600er. Ab hier lohnt Nassschleifen – der Abtrag wird gleichmäßiger und der Staub bleibt gebunden.
  4. Prüfen, ob Füllen nötig ist. Tiefe Rillen zwischen Schichten verschwinden durch Schleifen nicht, sie werden nur breiter. Wenn du sie noch siehst, gehört jetzt ein Füllschritt dazu – wie das läuft, steht bei Spachtel und Filler.
  5. Polieren. Erst ab Körnungen über 600 und erst dann, wenn die Fläche gleichmäßig ist. Politur auf einer welligen Fläche macht die Wellen sichtbarer, nicht kleiner.
  6. Grundieren. Dünn und in mehreren Durchgängen statt einmal satt. Die Grundierung ist zugleich der ehrlichste Prüfschritt: Erst auf einer einfarbigen matten Fläche siehst du, was noch nicht stimmt. Fehler an dieser Stelle korrigieren, nicht überlackieren.
  7. Lackieren. 2 bis 3 dünne Grundlackschichten aus 15 bis 20 cm Abstand, zwischendurch polieren, dann 1 bis 2 Decklackschichten. Zwischen den Schichten die Trockenzeit der Dose einhalten.
  8. Klarlack und aushärten. Zum Schluss Klarlack für Glanzgrad und Schutz. Danach mindestens eine Woche liegen lassen, bevor das Teil belastet wird – so die Angabe im Formlabs-Guide.

Sicherheit: Sprühdose, Staub und Sicherheitsdatenblatt

Grundierungen, Lacke und Klarlacke sind Gefahrstoffe, und das steht auf der Dose. Welche Gefahrenhinweise gelten, hängt vom konkreten Produkt ab. Verbindlich ist deshalb nicht, was in einem Ratgeber steht, sondern das Sicherheitsdatenblatt des Herstellers und die Kennzeichnung auf dem Etikett – bei Markenprodukten beides online abrufbar. Vier Punkte folgen daraus ohne Interpretationsspielraum:

  • Lüften und Abstand halten. Sprühen erzeugt einen Nebel, der sich im Raum verteilt. Draußen oder gut durchlüftet arbeiten, nicht neben dem laufenden Drucker.
  • Schutzausrüstung nach Etikett. Welche Handschuhe, welcher Atem- und Augenschutz vorgesehen sind, gibt das Sicherheitsdatenblatt in Abschnitt 8 vor. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Produktangabe.
  • Zündquellen fernhalten. Viele Sprayprodukte sind als entzündbar eingestuft und stehen unter Druck. Keine offene Flamme, Dosen nicht in der Sonne oder am Heizkörper lagern.
  • Schleifstaub nicht aufwirbeln. Nassschleifen bindet ihn an Ort und Stelle. Reste feucht aufnehmen statt trocken auszupusten.

Zur Entsorgung: Leere Dosen, Lackreste und getränkte Tücher gehören nicht pauschal in den Hausmüll. Die Fraktion gibt die Kennzeichnung vor, die verbindliche Auskunft dein örtlicher Entsorger. Acetondampf ist eine eigene Baustelle mit eigenen Sicherheitsdaten – siehe ABS mit Aceton glätten.

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Für den Farbauftrag auf dem grundierten Teil. Prüfe vor dem Kauf, ob der Lack für Kunststoff ausgewiesen ist, ob der Glanzgrad der ist, den du willst, und ob er zu deiner Grundierung passt – am sichersten innerhalb einer Produktfamilie. Die Gefahrenhinweise und die vorgesehene Schutzausrüstung stehen im Sicherheitsdatenblatt des jeweiligen Herstellers.

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Was du dir sparen kannst

Dieses Thema verführt zu einer Materialsammlung, von der die Hälfte eintrocknet, bevor sie zum zweiten Mal benutzt wird. Was sich in der Praxis als verzichtbar erweist:

  • Die volle Körnungsleiter von 80 bis 5000. Wer bei 80er anfängt, gräbt Riefen, die er mühsam wieder herausholt. Drei bis vier Stufen im Bereich des Formlabs-Guides decken die allermeisten Fälle ab.
  • Der Multischleifer für gedruckte Teile. Elektrische Schleifer bringen Wärme ein, und thermoplastische Oberflächen reagieren mit Verschmieren statt Abtrag. Von Hand ist bei diesen Teilegrößen meist schneller am Ziel.
  • Airbrush-Set als Erstausstattung. Kompressor, Pistole, Reiniger, Verdünner – für den ersten lackierten Druck ist das ein eigenes Hobby. Die Dose macht denselben Job, solange keine Verläufe gefragt sind.
  • Sondergrundierungen für jedes Material. Eine Kunststoffgrundierung, die zum Decklack passt, deckt im Hobbybereich das meiste ab. Der Test am Reststück ist billiger als drei Spezialdosen.
  • Lack auf Funktionsteilen. Auf Passungen, Gewinden und Lagerstellen trägt jede Schicht auf und blättert unter Reibung ab. Solche Teile bleiben besser roh – oder du planst den Farbauftrag als Maß mit ein.

Häufige Fragen

Muss ich vor dem Lackieren wirklich grundieren?

Der zitierte Formlabs-Guide beschreibt die Grundierung als festen Schritt zwischen Schleifen und Lackieren. Sie hat zwei Funktionen: eine einheitliche Basis für die Farbe und eine Kontrollfläche, auf der Schleiffehler sichtbar werden. Ohne Grundierung wirkt Farbe auf unterschiedlich glatten Stellen unterschiedlich – und du siehst es erst, wenn der Lack drauf ist.

Welche Körnung nehme ich für den Anfang?

Nach dem Formlabs-Guide 220er und 320er zum Abtragen von Stützstrukturspuren, danach 400er und 600er im Feinschliff und Politur erst über 600. Wenn deine Oberfläche schon sauber entgratet ist, kannst du die grobe Stufe oft überspringen – sie ist zum Abtragen da, nicht zum Glätten.

Kann ich PLA genauso behandeln wie PETG oder ABS?

Dazu gibt es keine belastbare Herstellerangabe: Kein Filamentdatenblatt macht Aussagen zu Schleifen und Lackieren des jeweiligen Materials. Die Körnungsfolge und der Lackaufbau sind materialübergreifend formuliert. Für dein konkretes Filament und deinen konkreten Lack bleibt der Test an einem Reststück die einzige verlässliche Auskunft.

Wie lange muss ein lackiertes Teil aushärten?

Der Formlabs-Guide nennt mindestens eine Woche vor Belastung. Grifffest ist ein Lack deutlich früher, durchgehärtet erst später – die konkrete Zeit steht in der Herstellerangabe deines Produkts.

Fazit

Schleifen, grundieren, lackieren ist keine Frage des Talents, sondern der Reihenfolge und der Geduld. Die belegte Linie ist klar: grob mit 220er und 320er, fein mit 400er und 600er, Politur erst darüber, dann grundieren, dann 2 bis 3 dünne Grundlackschichten aus 15 bis 20 cm Abstand, 1 bis 2 Decklackschichten und Klarlack – und danach mindestens eine Woche warten, bevor das Teil arbeiten muss. Wer eine Stufe überspringt, sieht es spätestens auf der grundierten Fläche.

Zwei Grenzen gehören dazu. Die erste ist inhaltlich: Was tiefer ist als der Schleifabtrag, wird gefüllt und nicht geschliffen – dafür ist Spachtel und Filler zuständig. Die zweite ist eine Datenlücke, die man offen benennen sollte: Für FDM-Filamente existiert kein Herstellerdatenblatt zu diesem Thema. Die belegten Werte stammen aus einem Guide von Formlabs, was für Körnungsfolge und Lackaufbau taugt – aber nicht die Probe am Reststück ersetzt, bevor du dein gutes Teil einsprühst.

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